Die irdische Heimat des Christen – was bleibt?

 

Ihr lieben Missionsfreunde, liebe Brüder und Schwestern unseres Herrn Jesus Christus! - Zuhause ist’s am Schönsten – sagt ein Sprichwort. Ja, aber was, wenn man von dort vertrieben wurde, wenn dort alles in Schutt und Asche liegt, wenn einem alles genommen wurde, was einmal das zu Hause ausmachte? - Die Heimatvertriebenen der Vergangenheit und Gegenwart können etwas vom schmerzlichen Verlust ihrer Heimat erzählen. –

Als bibelfeste Christen fällt uns da natürlich sofort ein Trostwort aus der Heiligen Schrift ein: „Unsere Heimat ist im Himmel, von wo wir das Kommen unseres Heilandes, des Herrn Jesus Christus erwarten....“(Phil.3,20). Wie wunderbar ist diese Aussage!

Und dennoch, der Christ braucht auch eine irdische Heimat, für die Jahre seines Erdenlebens. Er braucht einen Ort, den er benennen kann, wo er sich aufgehoben fühlt, Entspannung findet und Menschen hat, die ihm wohlgesonnen sind. Manche suchen schon lange danach, ohne zu finden. Andere Gläubige spüren immer deutlicher, eben das alles zu verlieren.

Die meisten von uns haben noch ihre alte Heimat, die sie lieben und schätzen – Das Dorf oder die Stadt, in der sie schon seit Jahren leben – andere haben eine neue Heimat gefunden – dort, wo sie jetzt leben. Aber dennoch greift das Empfinden um sich, alles zu verlieren, was man noch als Heimat hat. Nicht die neuen Häuser und neuen Straßen machen dieses Befremden aus, nicht die zunehmende Zahl fremder Gesichter in unserer alten oder neuen Heimat, sondern die zunehmende Gottlosigkeit unserer Umgebung befremdet ungemein. - Unsere Mitmenschen haben sich sehr verändert - und somit eben unsere Heimat. Wir leben mittlerweile in einem Land, wo die Werte, die einst ein christliches Abendland prägten und groß machten nicht mehr gewünscht werden, ja wo solche Werte aus dem öffentlichen Leben schon verbannt und diejenigen, welche sich öffentlich dafür einsetzen beispiellos diffamiert werden. Kein Wunder, dass man sich in dieser Heimat mehr und mehr fremd fühlt. Und verwundert kann man beobachten, dass sogar so genannte christliche Politiker sich mehr und mehr von den einstigen ewig gültigen christlichen Werten verabschieden.

BiIly Grahams Tochter, Anne Graham, brachte diese Entfremdung kürzlich in einem Interview auf den Punkt, als sie im amerikanischen Fernsehen bezüglich der Ereignisse des 11. Septembers mit der Frage konfrontiert wurde, "wie konnte Gott so etwas zulassen?"

Sie gab folgende weise Antwort:

"Ich glaube, dass Gott über die Sache ebenso tief betrübt ist wie wir, aber im Laufe der Jahre haben wir Gott aufgefordert, aus unseren Schulen, Regierungen und unserem Leben zu verschwinden. Und da Er ist ein ,Gentleman' ist, hat Er sich leise zurückgezogen. Wie können wir Seinen Schutz und Segen erwarten, wenn wir von Ihm allein gelassen werden möchten?

- Ich denke, es fing damit an, dass Madeleine Murry O'Hare sich über das Gebet in unseren Schulen beschwerte und es nicht mehr wollte. Und wir sagten OK.

Dann meinte jemand, dass wir die Bibel in der Schule besser nicht mehr lesen sollten. Und wir sagten OK. Dann sollten wir unsere Kinder wegen schlechten Benehmens nicht mehr strafen, um ihre kleinen Persönlichkeit und ihr Selbstwertgefühl nicht zu verletzen. Und wir sagten OK.

Dann sagte jemand, dass Lehrer und Erzieher Kinder nicht bestrafen sollten, und die Schulverwaltungen stimmten dem zu, um in keinem schlechten Licht dazustehen oder gar gerichtlich verfolgt zu werden. Dann sollte unseren Töchtern ohne Wissen der Eltern erlaubt werden, abzutreiben. Und wir sagten OK.

Dann befürworteten einige Mitglieder des Schulvorstands das Verteilen von Kondomen an die Jungen, die schließlich ihren Spaß haben sollten. Und wir sagten OK. Dann wurde behauptet, dass es unwichtig sei, welch ein Leben hochrangige Persönlichkeiten führten, so lange ihre Arbeit gut sei und die Wirtschaft funktioniere. Erst wurden nackte Frauen in Zeitschriften abgebildet, danach wurde durch die Unterhaltungsindustrie für Weltlichkeit, Gewalt und perversen Sex geworben, und es wurde Musik aufgenommen, die zum Gebrauch von Drogen, zu Mord und Satanismus aufrief. - Wir sagten, solches sei nur Unterhaltung, die sowieso von niemandem ernst genommen und keine negativen Folgen haben würde.

Jetzt aber fragen wir uns, warum unsere Kinder kein Gewissen haben und Gut und Böse nicht mehr unterschei­den können. Ich denke, dass wir ernten, was wir gesät haben. -

„Lieber Gott, warum hast du das kleine Mädchen nicht gerettet, das in ihrem Klassenzimmer getötet wur­de? - Mit freundlichen Grüßen, ein betroffener Schüler.....“ - Und die Antwort ist: „Lieber betroffener Schüler, ICH bin in den Schulen nicht mehr geduldet. - Mit freundlichen Grüßen – GOTT “.

Seltsam, wie leicht Menschen Gott „wie einen Dreck“ behandeln und sich dann wundern, dass die Welt „zur Hölle fährt“. - Seltsam, dass wir den Zeitungen glauben, aber die Bibel in Frage stellen! - Seltsam, dass jeder in den Himmel kommen möchte, vorausgesetzt, dass er nicht der Bibel gemäß glauben, denken und han­deln muss. - Seltsam, dass viele sagen "ich glaube an Gott!" und folgen immer noch dem Satan nach (der übrigens auch „an Gott glaubt“/ Jak.2,19). - Seltsam, wie schnell sich 1000 Witze per E-Mail wie ein Lauffeuer verbreiten, während die Empfänger christlicher Botschaften sich zweimal überlegen, ob sie diese weiterge­ben. - Seltsam, daß das Grobe, Vulgäre und Obszöne freien Raum hat, während in der Schule und am Arbeitsplatz die öffentliche Diskussion über Gott unterdrückt wird. - Seltsam, dass jemand am Sonntag Feu­er und Flamme für Jesus sein kann, aber für den Rest der Woche ein unsichtbarer Christ ist. -

Geben Sie diese Botschaft weiter, wenn Sie meinen, dass es einen Wert hat. Aber wenn Sie diese Gedan­kengänge verwerfen, dann beschweren Sie sich nicht über die schlechte Lage, in der sich die Welt heute befindet!" – soweit Anne Graham.

Wir sehen, in was für einer Welt wir leben – wie die Gottlosigkeit auch hier in unserem deutschen Vaterland überhand genommen hat. Täglich sind wir mit der potenzierten Sünde konfrontiert – auf öffentlichen Werbeplakaten, Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen, selbst bei der Suche nach Informationen im Internet müssen wir uns vor der Sünde und Gottlosigkeit hüten. Erst recht im alltäglichen Verhalten mit unseren Mitmenschen. Manchmal kommen wir uns vor, wie der arme Lot in Sodom, der täglich durch seine perversen Mitmenschen leiden musste, bis die Engel ihn an der Hand wegführten aus seiner neuen Heimat.

Nun, wir haben aber einen riesigen Vorteil gegenüber dem gerechten Lot, auch wenn wir wie Lot unsere irdische Heimat verloren haben sollten! Lot musste sich allein mit seinem Glauben an den allmächtigen Gott in der Fremde durchs Leben schlagen. Und wir wissen ja, in was für Nöte er dann noch geriet. – Als Christusgläubige haben wir nämlich noch eine besondere Heimat auf dieser Erde. - Sie ist eine himmlische Stiftung, die nie vergehen kann, die immer wieder aufs Neue erbaut wird, auch wenn sie von außen oder sogar von innen zerstört werden sollte. - Es ist die Gemeinde Jesu – unsere irdische Trutzburg und Heimat in dieser vergehenden Welt!

Jesus sagt ihr dauerhaften irdischen Bestand voraus – selbst „die Pforten der Hölle“ sollen sie nicht überwinden (Matth.16,18)!!! - Es muß aber immer wieder die Frage gestellt werden: „Sind wir (noch) Gemeinde Jesu?“ Seit der Apostel Zeiten ist diese Frage nicht mehr zum Schweigen gekommen. Und schon im Neuen Testament wird eine scharfe Abgrenzung gegenüber den inneren Zerstörern der Gemeinde Jesu gezogen. - Ohne sich in spitzfindige Detailstreitereien zu verlieren, kann man sagen, was der große Maßstab für „Gemeinde Jesu“ als irdische geistliche Heimat sein muß, - nämlich:

„Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet“(Apg.2,42).

Das sind die vier großen Grundlagen der Gemeinde Jesu, was immer sonst sie auch für eine organisatorische Gestalt hat! Daran muß sich jede Kirche, jede freie Gemeinde, jede neu sich findende Gruppe von Christen messen lassen! Das Halten dieser vier Grundlagen bewahrt sie vor der inneren Aushöhlung und Zerstörung. Was die Apostel gelehrt haben muß Grundlage des christlichen Glaubenslebens sein und bleiben. Wer anders lehrt, dem Wort etwas hinzusetzt oder etwas wegstreicht, liegt verkehrt. Und wer nicht die Gemeinschaft mit seinen Glaubensgeschwistern sucht, sondern ein „Individual-Christentum“ pflegt, der wird hier geistlich heimatlos sein und sich selbst des Reichtums gläubiger Gemeinschaft am „Leib Jesu“(Epheser 1,22) berauben. Auch wer das Abendmahl und die Taufe geringschätzt, wird ohne Kraft und Heiligen Geist nur ein kümmerliches Glaubensleben führen können. Das Gebet im stillen Kämmerchen, sowie in der Gemeinschaft mit anderen Christen ist ebenso unerläßlich für den Einzelnen und die Gemeinde. Wird das nicht gepflegt, so wird bald ein kraftloses und geschwächtes Christentum da sein, dem man nicht mehr ansieht, dass Jesus mit Seinem Blut die Gläubigen erlöst und froh gemacht hat. Es ist darum unbedingt nötig, immer wieder neu zu fragen; sind wir als Einzelne und als Gemeinde noch „in Jesus Christus“ nach dem biblischen Maßstab, oder schon weltlich entartet. Die Väter der Reformation sprachen in diesem Zusammenhang von der Notwendigkeit der „beständigen Reformation“. Wenn uns die Gemeinde Vorort heimatlos und leer vorkommt, dann müssen wir uns zuallererst fragen, ob wir selbst bereit sind, uns nach dem Maßstab von Apg.2,42 in unsere Gemeinde einzubringen. Haben wir das getan, so steht die andere Frage; will meine Gemeinde nach diesem Maßstab leben, oder vertritt sie in Wahrheit andere Grundsätze, die mit dem Schriftwort nicht mehr vereinbar sind und mich deshalb dort heimatlos sein lassen? Dieses müssen wir fragen, wenn wir in der Kraft des Heiligen Geistes unser irdisches Leben gestalten und das Ziel, die himmlische Heimat, erreichen wollen! 

Wie viel Elan und Glaubensmut verpufft sinnlos unter Gläubigen, weil sie keine richtige geistliche Heimat haben, sich in verkehrten Gemeinschaften herumärgern, oder sich selbst nicht biblisch einbringen. Jesus, als Herr Seiner Gemeinde, will das jedenfalls nicht! Er will jeden von uns tüchtig machen zum Dienst in Seinem Reich und Dich mit wirklich Gläubigen an den Platz stellen, wo Du als Sein Glied hier auf dieser Erde segensreich wirken kannst. Dafür wollen wir beten, besonders auch im Blick auf die Neubekehrten, die dringend eine geistliche Heimat brauchen.

„Siehe, wie fein und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!....Denn dort verheißt der Herr Segen und Leben bis in Ewigkeit!“ So spricht der Heilige Geist im Psalm 133 ermutigend zu uns. Laßt uns für den Schatz der geistlichen Heimat dankbar sein und uns nach Jesu Willen dort mit einbringen. In den folgenden Versen wird der Segen solcher Gemeinschaft besungen.  -  Der Friede des Herrn Jesus sei mit Euch allen!  -  Euer R. Sorger, Missionsleiter

 

Jesus, der Du bist alleine

Haupt und König der Gemeinde,

segne mich, Dein armes Glied;

wollst mir neuen Einfluß geben

Deines Geistes, Dir zu leben;

stärke mich durch deine Güt’.

 

Ach, Dein Lebensgeist durchdringe,

Gnade, Kraft und Segen bringe

Deinen Gliedern allzumal,

wo sie hier verstreuet wohnen

unter allen Nationen,

die Du kennest überall.

 

O wie lieb' ich, Herr, die Deinen,

die Dich suchen, die Dich meinen;

O wie köstlich sind sie mir!

Du weißt, wie mich’s oft erquicket,

wenn ich Seelen hab erblicket,

die sich ganz ergeben Dir.

 

Ich umfasse, die Dir dienen;

ich vereinge mich mit ihnen,

und vor Deinem Angesicht

wünsch ich Zion tausend Segen;

starke sie in Deinen Wegen,

leite sie in Deinem Licht.

 

Laß die Deinen noch auf Erden

ganz nach Deinem Herzen werden;

mache Deine Kinder schön,

abgeschieden klein und stille,

sanft, einfältig, wie Dein Wille,

und wie Du sie gern willst sehn!

 

bis wir einst mit allen Frommen

dort bei Dir zusammenkommen

und, von allen Flecken rein,

da vor Deinem Throne stehen,

uns in Dir, Dich in uns sehen,

ewig eins in Dir zu sein.

Gerhard Tersteegen 1731