Der HERR sprach: Genau nach dem Bild, das ICH dir von der Wohnung

und ihrem ganzen Gerät zeige, sollt ihr's machen!  2.Mose 25,9 

 

Ihr lieben Missionsfreunde,

was waren das noch für Zeiten, wo der Herr durch so klare Anweisungen für Mose zu Israel redete! Alles war geregelt und es gab sogar exakte Anweisungen zum Bau der Stiftshütte und zur Durchführung jedes Gottesdienstes. So denken wir vielleicht, wenn wir vom Exodus Israels aus Ägypten und der Gesetzgebung am Sinai lesen. Wir können nachlesen, wie der Herr zu Mose sagt: „Mache alles so, wie du es auf dem Berge gesehen hast (ebenfalls auch in Vers 40; 2.Mo. 26,30 sowie Kap.27 Vers 8). Und sieh zu, daß du alles machst nach dem Bilde, welches dir auf dem Berge gezeigt ist. …So sollst du die Wohnung in der Weise aufrichten, wie du sie auf dem Berge gesehen hast!“ – Ganz offensichtlich legte der allmächtige Gott großen Wert darauf, daß Sein Volk alles so macht, wie ER es vorgegeben hat. Sogar im NT wird noch nachdrücklich darauf Bezug genommen: In Apg.7,44 spricht Stephanus: „Es hatten unsre Väter die Stiftshütte in der Wüste, wie der es angeordnet hatte, DER zu Mose redete, daß er sie machen sollte nach dem Vorbild, welches er gesehen hatte.“ Und in Hebr.8,5 heißt es: „Sie dienen aber nur dem Abbild und Schatten des Himmlischen, wie die göttliche Weisung an Mose erging, als er die Stiftshütte errichten sollte (2.Mose 25,40): Sieh zu, sprach ER, dass du alles machst nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist!“ 

Warum das alles, sogar mit exakten Angaben über Material, Beschaffenheit und Machart?  Warum hat Gott den Menschen nicht „kreative Freiheiten“ gelassen, die religiösen Dinge frei nach ihren Vorstellungen zu gestalten?

– Nun, ER hat es alles so vorgeschrieben, weil ER sicher nicht nur Israels Gehorsam prüfen wollte, nein; Er wollte wohl als „Bauherr“ SEINES Hauses selbst bestimmen, wie und unter welchen Bedingungen ER verehrt werden will, und wie Israel mit Ihm versöhnt leben kann! Ebenso gab ER Seinem Volk Gesetze und Regeln nach denen sie handeln und leben sollten, um „ein herrliches Volk“ zu werden, das keinen Makel haben würde, wenn sie Seine Worte und Befehle hielten (5.Mo.4,6f)! Uns kommt dieses heute alles auf den ersten Blick sehr weit hergeholt oder „gesetzlich“ vor, und vieles erschließt sich dem heutigen natürlichen Menschen gar nicht mehr ohne weiteres. - Wenn wir aber bedenken, daß auch das Alte Testament schon wunderbare Vorausschattungen auf die Zeit des Neuen Testaments darstellt, dann kommen wir nicht umhin, nach dem tieferen Sinn für uns Christen heute zu fragen. Dabei erhebt sich sofort die Frage; ob es nicht auch für uns Christen gültige und absolut einzuhaltende Normen von Gott her gibt? - Sicher ist Gott kein Pedant, aber Er hat sich auch für die heutige Zeit an Sein Weisung gebendes Bibelwort gebunden, das wir nicht schadlos „in eigener Kreativität“ übergehen oder ändern können! - Es ist zwar seit nunmehr über 100 Jahren „modern“ geworden, nicht mehr SEIN Norm gebendes Wort zum Maßstab für kirchliches und individuelles Handeln anzusehen, sondern die Erwartungen und Bedürfnisse des „modernen Menschen heute“. Zu Recht schmückt sich die gegenwärtige Zeitepoche mit der verräterischen Bezeichnung - „Moderne“.

Die Vorschriften zum Bau der Gotteswohnung, dem alten Bundeszelt und den Opfern, haben spätestens ihre Gültigkeit nach der völligen Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n.Chr. verloren; genau genommen aber schon durch das vollgenügsame Opfer des Sohns am Kreuz von Golgatha. Das Volk Israel hat von da an, bis zum heutigen Tag, keinen Ort der Versöhnung und der Anbetung Gottes mehr, wie es Jesus schon vorausgesagt hatte (Mt. 24,2; Mk13,2; Lk.19,23; 21,6)! Sie haben seit dem „eine kaputte Religion“, die der von Gott befohlenen lokalen Verehrung Seines Namens in Jerusalem mit all den Opfern nicht mehr wirklich nachkommen kann. Einzig, ein Stück von der alten Tempelmauer verblieb ihnen bloß noch zum Klagen. Seit dem liegt eine tiefe Melancholie auf jedem gesetzesgläubigen Juden, der nicht an Jesus glaubt. Der tief geistliche und sehr bedeutungsvolle Tempelgottesdienst ist so durch Gott selbst mit Jesus nicht etwa ersetzt, vielmehr vollendet worden. An die Stelle des Dienstes in einer Stiftshütte oder dem Tempels mit seinen Versöhnungsopfern, ist nun „ein Bau“ gekommen, der „aus lebendigen Steinen von Gott zusammengefügt“ wird – der weltweiten Gemeinde Jesu (Röm. 12,1; Eph.2,21f; Hebr.3,6;)!

In 1.Petr 2,5 wird genau das am deutlichsten gesagt: „Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.“ Die Gemeinde ist also heute „der Ort“, wo das Heil und die Versöhnung mit Gott angeboten werden; aufgrund des einen, nicht zu überbietenden Versöhnungsopfers am Kreuz von Golgatha! – Und das alles nicht mehr bloß dem auserwählten Volk Israel zugute, sondern sogar allen Menschen auf Erden!!! - Die alte Verheißung an Abraham, daß durch ihn alle Nationen gesegnet werden sollen, ist nun durch Jesus in Seiner Gemeinde erfüllt (1.Mo. 22,18)! - Nach biblischer Vorhersage wird zwar Jerusalem im Tausendjährigen Friedensreich mit Jesus noch einmal der Ort der Anbetung werden (Psalm 86,9; Jes.27,13; Offb.15,4), aber bis dahin ist allein die Gemeinde Jesu „der Ort“, in dem Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist gegenwärtig sind! „Der Christus in euch, das Geheimnis des Glaubens“; so nennt es Paulus (2.Kor. 13,5; Gal.4,19)! Und ganz deutlich sagt es unser Heidenapostel in Kol.1,26f: …„das Geheimnis, das verborgen war seit ewigen Zeiten und Geschlechtern, nun aber ist es offenbart Seinen Heiligen, denen Gott kundtun wollte, was der herrliche Reichtum dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, nämlich Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.“ - Da, wo zwei oder drei Menschen als gläubige Christen zusammen sind, ist ER mitten unter ihnen (Mt.18,20). Und sogar der vereinzelte Christ in einer Gefängniszelle ist nicht wirklich allein! Jesus ist mit dem Tröster, dem Hl. Geist, bei ihm und kann sogar Seinen Engel dorthin senden (Apg.12,7).   

- Hier wird ganz deutlich, warum der Herr uns als Seine Gemeinde in Seine Vorgaben umgestalten will! Wie einst Mose das knorrige Akazienholz zum Bau des Gotteshauses der Bundeslade und der hölzernen Geräte nehmen sollte, um sie mit Gold zu überziehen für den Tempeldienst, so nimmt auch der Herr Jesus störrische und sündige Menschen, um Sie mit „dem Gold“ Seines Heiligen Geistes zu überziehen, damit aus ihnen „brauchbare Bestandteile Seines Hauses und Werkzeuge Gottes“ werden! Es versteht sich so von selbst, daß wir keinen beliebigen kreativen Spielraum haben, die Gemeinde Gottes nach eigenem Geschmack zu gestalten! Christus muß sich ja in ihr wieder erkennen können, wenn sie „Seine Gemeinde“ sein und bleiben will!!! - Alle „Modernisierungsversuche“ müssen sich also immer daran messen lassen, ob sie noch dem Urbild der Gemeinde Jesu entsprechen?! Insofern müssen Christen im besten Sinn des Wortes „konservativ“ sein, weil sie dieses Urbild der Gemeinde Jesu, IHM entsprechend bewahren müssen! - Sonst wandert eben Jesus aus, und es bleibt nichts als eine modisch angepasste geistlose Hülle übrig, die den Namen „Gemeinde“ nicht mehr verdient. - Wie sieht nun der Vergleich mit unserer deutschen und europäischen Wirklichkeit aus? - Ist es nicht unsere Not, daß wir Neubekehrte schlecht in eine Gemeinde integrieren können, wenn diese sich begeistert zu Jesus bekehrt haben und nun die Bibel lesen, dann aber leider die gemeindliche Realität Vorort erleben?!  Gelegentlich spreche ich mit solchen Geschwistern und dann kommen die Nöte der Gemeindesituation zur Sprache. Nur wenige Gemeinden lassen sich immer wieder neu von der Bibel korrigieren. Oft wird nur darauf hingewiesen, daß es „in dieser Gemeinde so oder so üblich ist und man das aus gutem Grund so handhabt“ (meist aus Abgrenzungsgründen oder wegen bestimmter Erfahrungen). Wer mit dieser Auskunft noch nicht zufrieden ist, dem wir empfohlen, „sich doch eine andere Gemeinde zu suchen.“ - Wie werden solche „Herren und Damen der Gemeinden“ einmal vor dem HERRN der Gemeinde“, Jesus, dastehen?!  Die Aufforderung, sich „eine bibeltreue Gemeinde“ zu suchen, wird so zuweilen zu einer anstrengenden lebenslangen Suche. - Freilich, die perfekte Gemeinde ist bis zu Jesu Wiederkunft nicht zu erwarten, aber biblische Kriterien müssen schon als Maßstab noch gelten dürfen!

Die vier grundlegenden Kriterien der Gemeinde Jesu sind in Apostelgeschichte 2,42 sehr deutlich zusammengefaßt und wir haben uns immer wieder neu an diesen messen zu lassen:

Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“

1. Die Apostellehre

Glücklicherweise ist hier nicht zuerst von Strukturen, wie Gemeindeordnung oder Kirchenverfassung die Rede, wenn es darum geht, zu beschreiben, was Gemeinde Jesu ausmacht! Zwar haben wir an dieser Stelle keinen Raum zur umfassenden Erörterung, doch wenigstens ein paar Grundsätze zum festhalten wollen wir betrachten.

Die Lehre der Apostel ist die zusammenfassende Bezeichnung für das, was Jesus tat, was sie mit ihm erlebten und was ER lehrte. Und weil sie mit der Fülle des Heiligen Geistes ausgestattet waren, konnten sie die Lehre Jesu komplettieren und in die konkrete Situation der Urgemeinde hinein auslegen und anwenden. Das, was sie sagten und taten wurde so zum autoritativen Wort Gottes für die ersten Christen. Sie nahmen es als solches an und richteten sich danach (1.Thess.2,13;1.Petr.4,11), statt wie heute üblich, über seine Gültigkeit zu disputieren!  Die Folge war, daß sie „ein Herz und eine Seele“ waren, daß Wunder und Zeichen geschahen und die Gemeinde schnell nach dem göttlichen Plan wuchs. Solange die weltweite Gemeinde Jesu an ihren verschiedenen Orten sich an diese Vorgaben hielten, gab es Mission und schnelles Ausbreiten des Evangeliums unter den Nationen. Diese Entwicklung hielt trotz aller gelegentlichen Auseinandersetzung mit Irrlehrern an, bis sich der römische Staat des Christentum bemächtigte, um es als Stütze seines korrupten Systems zu benutzen (etwa 325 n.Chr.). Die Veränderungen der Gemeinden und des Wertes der Bibel bis hin zu den „Staats-Kirchen“ sind bekannt und wurden auch durch die Reformation nicht wirklich beseitigt. Luther und die Reformatoren hatten das erkannt und wenigstens noch den Begriff der „beständigen Reformation“ als einem Dauerprozess festgehalten. So bleibt es jeder Generation auferlegt, ihr Gemeindeleben immer wieder neu an der Heiligen Schrift zu überprüfen.

2. Die Gemeinschaft war das erste positive soziale Zeichen, was der Umgebung auffiel. Die ersten Christen hatten eine Liebe und Solidarität untereinander, wie sie die Welt bis dahin nicht kannte. „Seht doch, wie sie einander so lieb haben!“ - So sagten die Ungläubigen rundherum und waren davon erst einmal zutiefst beeindruckt. Es war die erste sichtbare Werbung für ein Leben aus Jesus Christus, das viele veranlaßte, näher nach dem zu fragen, was diese Christen denn so positiv verändert hatte. Daß manche urchristliche Idee (z.B. von der absoluten Gütergemeinschaft) sich später als nicht haltbar erwies, schmälert jedoch nicht den neuen Zusammenhalt der „Familie Gottes.“ - Auch wir müssen uns heute daran prüfen lassen, wie sehr wir füreinander einstehen, wenn wir nach biblischer Vorgabe „Familie Gottes“ sein wollen! - Viele große Gemeinden sind heute gerade dadurch so anziehend für ihre heidnische Umgebung geworden und haben deswegen ein rasantes Wachstum erlebt. – Nicolaus Ludwig von Zinzendorf hat darum nicht umsonst schon im 18.Jahrh. den Satz geprägt: „Ich stelle fest, es gibt kein Christentum ohne Gemeinschaft!“

3. Mit dem Brotbrechen wurde nicht nur das gemeinschaftliche Essen als Zeichen herzlicher familiärer Verbundenheit unter den Christen eingeführt, das ja auch schon im Passahmahl der Juden seine vorläufige Entsprechung hatte. Vielmehr wurde das feierliche Abendmahl des Herrn Jesus, wie Er es eingesetzt hatte, von den Jüngern immer wieder neu gehalten. Es war das lebendige Zeichen des Neuen Bundes inniger Gemeinschaft mit dem auferstandenen Herrn, der mit Seinem Leib und Blut sich selbst gab als Opfer für die Sünder der Welt. Wie einst das Passahlamm die Juden beim Auszug aus Ägypten mit seinem Leib und Blut vor dem Tod schützte, so rettet Jesus hinfort durch Seine Hingabe am Kreuz alle Sünder vor dem ewigen Tod. Im gemeinschaftlichen Glauben und Genießen von Brot und Wein bezeugten die Jünger so fortan diesen neuen Bund Gottes mit den Gläubigen. - Wie es Jesus gebot, bis Er es neu essen würde in Seines Vaters Reich mit den Jüngern (Mt.26,9; Lk.22,16), so sollte es nun von der ganzen Christenheit immer wieder gefeiert werden; mit Brot und Wein (1.Kor.11,26)! Wie bei der Taufe Wasser und Geist als unverzichtbare Elemente geboten waren, so ist auch im Abendmahl die Gegenwart und Hingabe Jesu durch Brot und Wein an Seine Jünger vorgegeben. Von theologischen Streitereien über das Abendmahl, oder gar die Ersetzung des Weins durch Saft oder des Brotes durch Käsehäppchen, war da noch nicht die Rede. „Sie nahmen die Speise vielmehr mit Danksagung und einfältigem Herzen im Glauben“ (Apg.2,46). Die Worte Jesu hatten noch testamentarische Autorität und Bedeutung! Sie wurden nicht, wie es heute vielfach geschieht, vergeistigt oder umgedeutet, wenn der Herr sagt: „Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist…. Wer dieses Brot isst, der wird leben in Ewigkeit (Joh.6,58).“  Auch das Wort unseres großen Heidenapostels galt noch absolut: „Denn wer so isst und trinkt, daß er den Leib des Herrn nicht achtet, der isst und trinkt sich selber zum Gericht“ (1.Kor.11,29).

4. Schließlich war das letzte der vier Kennzeichen lebendigen Christseins, das beständige Bleiben im Gebet. „Betet ohne Unterlaß“(1.Thess.5,17) war für die ersten Christen keine unrealistische Forderung, denn sie lebten in einer ununterbrochenen Verbindung mit dem Herrn durch den Heiligen Geist. Sie unterschieden nicht zwischen einem profanen Lebensbereich, in dem Gott keine Rolle spielt und einem „heiligen Bereich“, wie das später in der römischen Kirche aufkam und wie es heute bei der Masse der „Volkskirchenchristen“ noch ist. Sie lebten ungeteilt ihr ganzes Leben in lebendiger Verbindung mit dem Herrn; die Hausfrau am Herd ihrer Familie ebenso wie die Apostel auf ihren beschwerlichen Reisen! So erlebten sie ungeahnte Gebetserhörungen und ihr ganzes Leben wurde von der Heiligkeit Gottes durchdrungen, was sich trotz aller Verfolgungen als eine Anziehungskraft für die Ungläubigen erwies. Auf diese Weise konnte der Herr täglich hinzutun zur Gemeinde, die sich retten ließen (Apg.2,47).

- Ihr lieben Missionsfreunde, das alles sind keine „nostalgischen frühchristlichen Träume“, sondern das war die Realität der ersten Gemeinde und es ist die Verheißung auch für uns Christen heute, wenn wir dem Wort Gottes so nacheifern und es für uns gelten lassen! - Jesus will auch heute noch sich so zu Seinem Wort stellen und Seine Gemeinde vollenden!

- Willst Du Dich, lieber Leser, so in Jesu Gemeinde mit einfügen lassen? - Der Herr segne Dich dazu und gebe Dir Glaubensgeschwister, die sich mit nichts weniger zufrieden geben, als mit Seinen wunderbaren Verheißungen!

In Jesus verbunden grüßen Dich - Euch alle Geschwister von BfdW mit  P. R. Sorger