Vorbemerkung von BfdW:  Todd Bentley, ein angeblich aus der „Rocker- und Drogenszene“ bekehrter Pastor (32) erregt durch spektakuläres Auftreten in seinen von Tausenden besuchten „Heilungsgottesdiensten“  (in Lakeland / Florida) die Gemüter der Evangelikalen Welt. Selten hat er eine Bibel in der Hand und noch seltener predigt er über Christus. Vor allem über einen Engel namens “Emma“ redet er, der ihm die neusten Dinge über Himmel und Erde verrät. Er behauptet, mit ihm würde eine „Neutestamentliche Erweckung“ beginnen. Bei genauerem Hinsehen (mit der Bibel in der Hand) hat man aber den Eindruck, es handele sich um eine christlich getarnte „Schamanen-Show“. 

 

 

 

Das Leben nach Lakeland: Lektionen aus geistlicher Verwirrung

 

J. Lee Grady

 

Originaltitel: Life After Lakeland: Sorting out the Confusion

Zur Person: J. Lee Grady ist Charismatiker und Redakteur der amerikanischen Zeitschrift Charisma Magazine. Er hat sich mehrfach kritisch zu Themen wie dem Wohlstandsevangelium, Prophetie und Erweckung zu Wort gemeldet.

Quelle: http://fireinmybones.com/, 13. August, 2008

Übersetzer: Georg Walter

Hinweis: der Artikel wurde leicht gekürzt

 

 

 

Die Ankündigung, dass Todd Bentley sich von seiner Ehefrau trennen will, erschüttert unsere Bewegung (die pfingstlich-charismatische Bewegung, Anmerk. des Übersetzers) – und auf Fragen müssen Antworten gefunden werden.

 

So sollte das alles nicht enden.

 

Der Evangelist Todd Bentley hatte die Erweckung in Lakeland als die größte pfingstliche Ausgießung des Geistes seit der Azusa Street (in der Azusa Street, Los Angeles begann 1906 die Pfingstbewegung, Anmerk. des Übersetzers).  Von der Rednertribüne eines riesigen Zeltes in Florida predigte Bentley zu Tausenden, so dass viele für Gebet nach vorne kamen. Viele behaupteten, von Taubheit, Blindheit, Herzproblemen, Depressionen und ein Dutzend weiterer Erkrankungen in den Gottesdiensten in Lakeland, die über 100 Abende ohne Unterbrechung abgehalten wurden, geheilt worden zu sein. Bentley verkündigte selbstsicher, dass Dutzende von Menschen während dieser Erweckung von den Toten auferstanden waren.

 

Aber in dieser Woche, einige Tage, nachdem der kanadische Prediger angekündigt hatte, nicht länger nach Lakeland kommen zu wollen, teilte er seinem Mitarbeiterstab mit, dass seine Ehe vor dem Aus stehe. Sein Leitungsteam gab eine öffentliche Bekanntmachung heraus, wonach er und seine Frau, Shonnah, sich trennen. Diese Nachricht schockierte alle Fans, die Bentley verehren und betrübte jene, die seine Glaubwürdigkeit schon seit dem Beginn der Lakeland Erweckung Anfang April in Frage stellten.

 

Ich bin traurig. Ich bin enttäuscht. Und ich bin zornig. Hier einige der vielen, vielen Fragen zu diesem Fiasko:

 

Warum pilgerten so viele Leute aus der ganzen Welt nach Lakeland, um einen Evangelisten zu sehen, der ernsthafte Glaubwürdigkeitsprobleme von Anfang an hatte?

 

Um es offen zu sagen: Wir sind einfach total leichtgläubig.

 

Von der ersten Woche der Erweckung in Lakeland an hielten viele Christen mit geistlichem Unterscheidungsvermögen die Lehren und Praktiken von Bentley für fragwürdig. Sie empfanden Unbehagen darüber, als er berichtete, wie er in seinem Hotelzimmer mit einem Engel redete. Sie spürten, dass etwas nicht stimmen konnte, als er ein T-Shirt mit einem Skelett trug. Sie fragten sich, warum ein Mann Gottes sich am ganzen Leib tätowieren ließ. Sie waren entsetzt, als er berichtete, wie er einen Mann stieß und ihm unter Gebet die Zähne ausschlug.

 

Aber denjenigen, die auf den Erweckungszug nach Lakeland aufgesprungen waren, wurde vom Prüfen abgeraten. Man erwartete von ihnen, dass sie alles schluckten und einfach folgten. Die Botschaft war klar: „Das ist Gott. Stelle keine Fragen.“

 

Ein Teil dieses Mangels an geistlichem Unterscheidungsvermögen geht zurück auf den Eifer für Gott. Wir sind geistlich hungrig – was etwas Gutes sein kann. Aber manchmal essen hungrige Menschen alles, was sie bekommen können.

 

Viele von uns ziehen die unüberhörbare Demonstration von Wundern und Zeichen dem Bibelstudium in der Stille vor. Dennoch müssen wir uns heute der traurigen Tatsache stellen, dass unser zügelloser Eifer ein Zeichen geistlicher Unreife darstellt. Unsere kindlichen Gelüste nach dem Wilden und Verrückten führte uns dazu, dumme Dinge zu tun. Es ist schon zu viel Zeit verstrichen; wir sollten längst erwachsen sein.

 

Warum hat in Lakeland niemand Bentleys wohlwollende Kommentare über William Branham in Frage gestellt?

 

Das erstaunt mich. Branham geriet in eine fürchterliche Verführung am Ende seines Dienstes, bevor er im Jahre 1965 starb. Er behauptete von sich, er sei die Reinkarnation von Elia – und bis heute gibt es Nachfolger von ihm in einer sektenartigen Gruppierung. Als Bentley der Welt ankündigte, dass derselbe Engel, der die Heilungserweckung (unter Branham) in den 1950er Jahren brachte, nun auch in Lakeland erschienen war, wäre es für seine gesamte Zuhörerschaft an der Zeit gewesen, den Raum fluchtartig zu verlassen.

 

Warum korrigierte niemand diese Verirrung von der Kanzel? Gottesfürchtige Leiter sollten die Schafe vor Irrlehre bewahren und ihnen nicht löffelweise die Verführung zur Speise geben. Nur Gott weiß, wie sehr sich dieses Gift von Lakeland ausgebreitet hat, um andernorts Wurzeln zu fassen. Möge Gott uns vergeben, dass wir es zugelassen haben, dass Gottes Wort so leichtfertig beschmutzt wurde.

 

Ein bekannter pfingstlicher Evangelist… sagte zu mir: „Jetzt bin ich davon überzeugt, dass ein großer Teil der charismatischen Bewegung dem Antichristen folgen wird, wenn er auftreten sollte, denn sie haben kein geistliches Unterscheidungsvermögen.“ Aua. Hoffentlich lernen wir dieses Mal unsere Lektion und begegnen dem nächsten Schwindler mit größerer Vorsicht. (Der bekannte pfingstlich-charismatische Bibellehrer Derek Prince warnte schon in den 1990er Jahren vor dem Mangel an Bibelkenntnis und Unterscheidungsvermögen unter Charismatikern und kam ebenso zu dem Schluss, dass viele wundersüchtige Charismatiker leichte Beute für den kommenden Antichristen sein werden. Anmerk. des Übersetzers)

 

Warum sagte God TV den Menschen, dass „jede Kritik an Todd Bentley dämonisch“ ist?

 

Diese lächerlich Aussage wurde in der Tat in einer Vorankündigung auf God TV (TV-Sender, der die Veranstaltungen in Lakeland live übertrug, Anmerk. des Übersetzers) gemacht. Tatsächlich wurde auch die Warnung ausgesprochen, dass jeder, der auf Kritik an Bentley hören würde, seine Heilung verlieren könne.

 

Dies ist sektiererische Manipulation in schlimmster Form. Die Bibel sagt uns, dass die Beröer edle Gläubige waren, weil sie die Schrift untersuchten, „ob es sich auch so verhielte“ (Apg.17:11). Doch im Falle von Lakeland wurde ein aufrichtiges Prüfen mit dem Verstand als ein Zeichen der Schwäche gedeutet. Man erwartete von den Leuten, zuerst zu springen und dann die Augen zu öffnen.

 

Nur weil wir an die Kraft des Heiligen Geistes glauben, bedeutet dies nicht, dass wir unser Gehirn am Eingang zur Gemeinde abgeben. Es ist uns geboten, die Geister zu prüfen. Jesus will, dass wir Ihn mit unserem Herz und unserem Verstand lieben.

 

Aufgrund des Skandals in Lakeland… werden einige vielleicht der Gemeinde den Rücken zukehren und sich einer wachsenden Zahl verbitterter Christen anschließen. Andere werden vielleicht totalen Schiffbruch im Glauben erfahren. Das hätte man vermeiden können, wenn Leiter sich deutlicher mit ihren Einwänden zu Wort gemeldet hätten und die Menschen dazu gedrängt hätten, ihre geistlichen Erfahrungen an Gottes Wort zu prüfen.

 

Warum legte eine Gruppe von anerkannten geistlichen Leiter am 23. Juni öffentlich die Hände im Sinne einer Ordination zum Dienst auf? Wussten Sie um seine persönlichen Probleme?

 

Diese kontroverse Zeremonie wurde von Peter Wagner organisiert, der den Eindruck hatte, dass Bentleys größter Mangel darin bestand, keinen geistlichen Schutz (engl. spiritual covering) zu haben. Er bat die kalifornischen Pastoren Che Ahn und Bill Johnson zusammen mit dem kanadischen Pastor John Arnott darum, Bentley die Hände aufzulegen, um ihn unter ihre geistliche Obhut zu bringen.

 

Bentley hat solch einen geistlichen Schutz sicherlich dringend nötig. Kein Dienst sollte heute alleine agieren, ohne dass geprüft wird, auf Ausgewogenheit geachtet wird und weiser Ratschlag vorhanden ist… Dennoch bleibt die Frage bestehen, ob es weise war, Bentley vor laufender Kamera in einem Aussendungsgottesdienst zu bestätigen, der teilweise eher einer Krönungszeremonie glich.1

 

Im Nachhinein gilt, es wäre es besser gewesen, mit Bentley in einem Hinterzimmer über seine persönlichen Probleme zu sprechen.

 

Ich glaube, dass Wagner, Ahn, Johnson und Arnott nichts von Bentleys Problemen wussten, bevor sie ihn ordinierten… Aber ich glaube auch, dass sie sich ebenso wie Bentley und die Verantwortlichen von God TV mit einer klaren öffentlichen Entschuldigung an den Leib Christi wenden sollten, weil sie Bentleys Dienst zu früh ins Rampenlicht stellten.

 

Kann irgend etwas Gutes daraus entstehen?

 

… wir müssen nach dem Echten trachten, nicht nach der Imitation. Wahre Erweckung wird von Zerbruch, Demut, Gottesfurcht und Buße begleitet sein – und nicht von Arroganz, Selbstdarstellung, Effekthascherei und substanzlosem Starrummel, wie man dies in Lakeland erlebt hat.

 

Wir leben in einer Zeit nie da gewesenen moralischen Zerfalls und geistlicher Kompromisse in unserer heutigen Nation. Ich empfehle jedem in der charismatischen Bewegung dringend, für Bentley, seine Frau Shonnah und seine drei kleinen Kindern zu beten… Lasst uns beten, dass Gott diesen betrüblichen Fehlschlag zu einer wunderbaren Wiederherstellung führt.

 

 

Anmerkung:

 

         1  Neben den erwähnten Leitern wie Wagner, Ahn und Arnott waren auch Rick Joyner, Wesley und Stacey 

          Campbell (mit einer ekstatischen Prophetie, siehe Teil 3), Bill Johnson und andere bekannte charismatische

          Leiter anwesend. Chuck Pierce konnte leider nicht zugegen sein und sandte stattdessen ein Flasche mit 

          „speziellem Salböl“ für die Zeremonie. Peter Wagner wies in seiner Rede darauf hin, dass Che Ahn, Bill

          Johnson und John Arnott über die Jahre Todd Bentleys „geistliche Ziehväter“ gewesen waren.