Dürfen Christen sich in „weltlichen Rechtsformen“ organisieren, oder müssen sie aus biblischen Gründen in die Illegalität gehen?

Immer wieder begegnet uns die mehr oder weniger scharf vorgetragene Meinung von Leuten, die jegliche gesellschaftlich vorfindliche Organisationsform für die christliche Gemeindearbeit ablehnen.  Sie meinen, weil die ersten Christen keine offiziellen Rechtsformen im römischen Reich hatten und sich einfach nur an einem Ort versammelten, darum sollten die Christen es auch heute noch so tun, um ihre völlige Unabhängigkeit zu bewahren.  Weiter meinen sie, daß echt gläubige Menschen aus jeglicher Organisationsform von Kirche oder Gemeinde austreten müssten, weil in diesen Organisationen „der gottlose Staat“ durch das Mittel „demokratischer Willensbildung“ ungeistlich in die Belange der Gläubigen hineinregieren könne und wolle.  Die Spitze einer solchen Sichtweise ist dann oft die fromm klingende Behauptung, „ein wahrer Christ könne nicht in einer babylonisch-antichristlichen Verstrickung gefangen bleiben, er müsse sich von der Hure Babylon (Offb. 17,5ff) absondern, um nicht mit ihr unterzugehen.“  Selbst ein e.V., als „gemeinnütziger eingetragener Verein“, der sich laut Satzung  „für die Ausbreitung des Evangeliums und für die Mission einsetzt“, auch keine Körperschaftssteuer zahlt und dessen Spendeneinnahmen gänzlich dem gemeindlichen Wohl zufließen, ist nach Ansicht dieser Leute, „ein von der Welt und dem Antichristen eingefangener Verein und für Christen nicht akzeptabel.“ – Diese  Ansicht wird sehr offensiv jedem Gläubigen gegenüber geäußert.  Neben dem biblisch bezeugten Evangelium von Jesus wird dieses „als Ausdruck wahrer christlicher Freiheit“ propagiert und allen Ernstes gesagt, „daß man erst ein wirklich freier Christ sei, wenn man aus jeder Organisation austrete und sich so „als völlig freie Gemeinde versammle.“  

Hierbei wird völlig übersehen, daß wir noch in einem Land wohnen, in dem es tatsächlich Religionsfreiheit gibt, wie sie seit 2000 Jahren nie besser war und wir als Christen eigentlich unseren biblischen Glauben noch immer recht ungehindert leben können. - Freilich gibt es auch heute Kräfte, wie zu allen Zeiten, die die christliche Religion gerne beschränken oder gar abschaffen wollen - quer durch fast alle politischen Parteien.  Aber noch haben wir „ein Grundrecht auf Glaubensfreiheit und Organisationsfreiheit“, das uns alle Möglichkeiten christlicher Existenz offen läßt.  Der Glaubenskampf mit der gottlosen Welt ist dabei natürlich immer gegeben, denn wir leben in einer säkularen Gesellschaft, die zwar noch den Namen „Gott“ im Grundgesetz stehen hat, tatsächlich sich aber von Seinen Normen und Werten, wie sie die Bibel fixiert, längst verabschiedet hat. 

Trotzdem sollten wir uns nicht vor der Zeit von der Gesellschaft isolieren, sondern wahrhaft christlich in sie hineinwirken und das wahre Evangelium öffentlich bezeugen. Dafür sollten wir den HERRN um Weisheit und um Vollmacht bitten!!!     

Nun muß man in der Tat feststellen, daß der deutsche Staat, und auch die meisten westlichen Länder,  ein „Abtauchen von Christen in die Illegalität, ohne jede Organisationsform“ noch still tolerieren, obgleich dabei nicht selten das Versammlungsrecht, das Recht zur Geldsammlung und das Steuerrecht von solchen „Untergrundchristen“ übergangen wird. Ohne wirkliche Not bewegen sich die Mitglieder solcher Gruppierungen hart an der Grenze der Legalität, ja sie überschreiten sie sogar oft und halten damit eigentlich keine „öffentlichen Versammlungen“ mehr ab, sondern vielmehr „rein private“, die von ihrer Größe und Regelmäßigkeit das „Versammlungsrecht“ berühren. Dabei lassen sich die Zusammenkünfte wegen ihrer Größe kaum verheimlichen und geben so in ihrer Umgebung ohne Not das Bild einer „geheimen sektiererischen Gruppierung“ ab, die sich bewußt abseits der allgemeinen Gesellschaft „untergrundartig“ verhält.  In totalitären Staaten, wie Saudi-Arabien,  Afghanistan, Nord-Korea und China, mag das alles sinnvoll erscheinen.  In unserer westlichen Demokratie aber mutet solches vielmehr sektiererisch an und die Geschwister machen so den Eindruck, selber Opfer einer Verschwörungsidee zu sein.  

Natürlich dürfen Christen sich nicht von gottlosen Bestimmungen tyrannisieren lassen und sollen ihre Angelegenheit selbst nach biblischen Regeln ordnen.  Zum Glück leben wir hier im Westen noch in einer relativen Freiheit, in der wir unsere biblischen Kriterien für die Gemeindearbeit ohne Not sogar in eine Satzung einarbeiten können und nach dieser nicht nur handeln , sondern sie auch noch vom Staat als besonderes Proprium unserer Gemeinschaft oder eines „e.V“  anerkennen lassen können.  Das deutsche Vereinsrecht deckt eine solche Handlungsweise gegenwärtig noch völlig ab und wir sollten nicht ohne Not „in den Untergrund“  abwandern, weil wir damit auch unsere Öffentlichkeitswirkung  aufgeben würden.

Ja, natürlich gibt es heute schon Grenzen für bibeltreue Christen, die wir im Auge haben müssen.  So kann z. B. in eine zu genehmigende Gemeinde-  oder Vereinssatzung kein Passus aufgenommen werden, der im krassen Widerspruch zu einem Bundes- oder Landesgesetz steht. So darf eine Gemeinde z.B. in ihrer Satzung nicht stehen haben, daß der Gemeindeleiter oder des Vorsitzende des Vereins keine Frau sein darf, oder ein Homosexueller.  Obwohl dieser Passus sehr wohl mit der Heiligen Schrift konform gehen würde, so stünde ein solcher doch mit dem „Antidiskriminierungsgesetz“ Deutschlands und der EU in Kollision.  Eine kluge Gemeinde- oder Vereinsleitung wird aber solche Einzelheiten, die von der Heiligen Schrift her vorgegeben sind, nicht in allen Details der Satzung ausformulieren, sondern nur auf biblische Auswahlkriterien hinweisen.  Sicherlich kann man hier für die Zukunft Ungemach für uns Christen heraufziehen sehen, aber solange wir noch relativ ungehindert als Christen in unserer Gesellschaft agieren können und man unser besonderes christlichen Proprium stehen läßt, so lange sollten wir uns auch als Teil der Gesellschaft verstehen, unsere Stimme öffentlich erheben und die legalen Möglichkeiten in ihr nutzen.

Wir sollten nicht ohne Not in die Illegalität gehen, solange wir öffentlich für Jesus und Sein Evangelium werben können!!!  Viele Menschen sind  gerade durch die öffentliche Zugänglichkeit des Evangeliums und die allgemeine Bekanntheit von Christen in ihren Versammlungen zum Glauben gekommen!  - Letztlich muß jeder Christ aber doch für sich selbst entscheiden, in welcher Organisationsform er sein Christsein leben will und wie er das vor seinem Herrn verantworten kann. Die Bibel selbst gibt ja schon die Organisationsform einer Gemeinde vor, sei sie nun öffentlich anerkannt oder nicht.  Forderungen, wie oben beschrieben, sind da nicht nötig. Die Organisationsformen werden sich an den Umständen orientieren müssen.        

Jesus und die Apostel erkannten jedenfalls die staatlichen Ordnungen an, obgleich sie heidnisch waren, und nutzen sie sogar, wenn sie der Ausbreitung des Evangeliums nicht hinderlich waren.  Auch waren sie lange Zeit anerkannt und wirkten Öffentlich, bis eine blutige Verfolgung einsetzte. Bei uns ist das noch nicht der Fall.   Siehe Matth. 22,21;  Apg. 24,12; 25,11; Röm. 13,1-3  /  Für uns sollte darum gleiches gelten!

Auszug aus dem Vereinsrecht in Deutschland:   Durch Eintragung in das Vereinsregister des zuständigen Amtsgerichtes nach § 21 BGB (in Deutschland) erhält ein nicht wirtschaftlicher Verein den Status einer juristischen Person.  In der Satzung bestimmt der Verein seine eigene Verfassung weitgehend selbst (Vereinsautonomie).                         Internet-Nachschlagewerk „Wikipedia“  im März 2012.     Bibel für die Welt  e.V. Heckenweg 4 / 72172 Sulz a.N.  www.goldene-worte.de   /   Kopieren erlaubt !!!