Jesus spricht:  

Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist über euch kommt, und werdet Zeugen für mich sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis ans Ende der Erde!  Apg 1,8

 

Liebe Missionsfreunde,

nach unserem abendländischen Kalender feiern wir wieder Himmelfahrt und Pfingsten. Und damit wird uns erneut ins Gedächtnis gerufen, wie unser allmächtiger Gott durch Seinen Sohn die Erlösung der Menschheit vollständig offenbart hat. Wenn wir die Himmelfahrtgeschichte betrachten, dann sehen wir aber, wie sehr die Jünger trotz der wunderbaren 40-tägigen Ostererfahrung mit dem auferstandenen Jesus dennoch hilfsbedürftig waren. - Mit der Aussicht, daß Ihr geliebter Herr sie nun wieder verlassen wird, kommt auch für sie die Frage erneut auf; wann denn nun „das Reich für Israel“ (oder Gottes sichtbares Reich auf Erden) endlich aufgerichtet wird?

- Es scheint, als ob auch wir Christen heute immer noch bei dieser Frage stehen. Die politischen und ökonomischen Verhältnisse damals waren und sind noch heute in dieser Welt schwierig, ungerecht und bieten trübe Aussichten. Auch die religiöse Perspektive ist bedrückend für alle, die nicht der Bibel glauben.

In diese Situation hinein gibt Christus Seinen Jüngern damals, und so auch uns heute, eine Verheißung: Wir erfahren nicht, wann denn nun endlich „das Reich des Friedens und der Gerechtigkeit“ für die ganze Welt von Jerusalem her aufgerichtet wird. Aber wir erfahren, daß wir die Zeit bis dahin nicht als passive sehnsuchtsvolle „Himmelsgucker“ verbringen müssen, die von ihren Zeitgenossen nur verhöhnt, verlacht oder gar verfolgt werden. Jesus sagt: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird und werdet Meine Zeugen sein“; das sagt der Auferstandene! - Ja, unser Herr will uns wirklich nicht als „Waisen“ zurückgelassen, auch wenn mancher zuweilen so denkt! Wie schon oft in der Heiligen Schrift angekündigt, verheißt Jesus hier Seinen Jüngern letztmalig den Heiligen Geist: „Den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“(2.Tim.1,7).

Wir sehen, daß der Glaube an Jesus und die Erfahrung mit dem Auferstandenen offensichtlich den Jüngern nicht genügte, um den Missionsbefehl Jesu (Mt.28,19) in Vollmacht ausführen zu können. Obschon Petrus durch den Heiligen Geist, Jesus als den Messias erkannte, und er sogar bereit war, mit IHM in den Tod zu gehen (Mt.16,16;26,35), so bedurfte es doch noch „der Kraft des Heiligen Geistes“ am Pfingsttag, um die Mission auch wirklich zu beginnen!

- Wie ist das heute bei uns? - Es gibt so viele Aktivitäten unter Christen; „Christliche Rockkonzerte“, Frauenfrühstückstreffen, Männertreffen, christliche Klein- und Großveranstaltungen, neue Bibelübertragungen, Pfingsttreffen usw. Doch welche Rolle spielt bei uns eigentlich „das persönliche Warten“ auf die Kraft des Heiligen Geistes, damit auch wirklich Menschen zu Christus hin gerettet werden und nicht nur eben mal wieder „was los war“?!  Oft hat man den Eindruck, daß es bei vielen aktiven Christen mehr um „fromme Unterhaltung“ geht, als um die Befähigung zum missionarischen Zeugnis. Wir müssen uns ernstlich fragen lassen, ob wir denn heute diese Kraft des Heiligen Geistes nicht mehr brauchen, oder ob wir wirklich auch schon alle im Besitz derselben sind?  Offensichtlich ist die Mehrheit unserer lieben Mitchristen nicht im Besitz der göttlichen Kraft. Oder sollten wir besser sagen, der Heilige Geist konnte uns offensichtlich nicht alle ausfüllen und „Wohnung in uns machen“(Joh.14,23)?! - Vielleicht haben wir es nicht zugelassen, daß Er uns ganz erfüllt; weil wir immer noch die Dinge der Welt mehr lieben als den Herrn?  Vielleicht finden wir Sein Wort auch „etwas zu radikal“ für die heutige Zeit (d.h. „an die Wurzel gehend!“) und lassen uns lieber auf Kompromisse mit „dem Zeitgeist“ ein?  So haben wir zwar weniger Konflikte mit der Welt, aber die Folgen für unser geistliches Leben sind auch nicht zu übersehen: Es mangelt an der Freude und der Kraft im Heiligen Geist, am Frieden und der Vollmacht, wirklich etwas für den Herrn zu tun, bis hin zum Verlust unserer Heilsgewissheit. - Kein Wunder, denn Jesus sagte: „Wenn jemand Mich liebt, so wird er Mein Wort befolgen, und Mein Vater wird ihn lieben, und Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen“(Joh.14,23).

Zweifellos bist du ein Christ durch die persönliche Annahme des Opfers Jesu, was du mit deiner Taufe bezeugt hast. Aber wie ging es weiter mit deinem Glaubensleben? Wie sieht es mit der Nachfolge Jesu aus?  Ist deine geistliche Speise vom Wort Gottes her nahrhaft genug, oder vegetierst du geistlich nur eben so dahin?

- Wenn man die Predigten in vielen Kirchen und Gemeinden anhört, dann gewinnt man oft den Eindruck, daß der Prediger sich offenbar immer neu an eine Schar „halbbekehrter oder ungläubiger Namenschristen“ wendet, denen ihre unveränderliche Sündhaftigkeit zwar immer wieder „durch die Blume“ vorgehalten wird, die sich aber dennoch damit trösten dürfen, daß der HERR ihnen gnädig ist. Oft genug gewinnt man den Eindruck, daß dieses wohl „die unveränderlich irdische Existenz“ eines Christen sein müsse. Doch wenn wir uns die Heilige Schrift genauer ansehen und die Apostelgeschichte oder die Briefe der Apostel lesen, dann erkennen wir doch leicht, welch’ eine missionarische Kraft durch den Heiligen Geist von den ersten Christen ausging. Daß es in ihrem Leben wirklich ein „Davor“ und ein „Nun-aber“ gab, das konnte niemand übersehen! Sie waren wirklich neue Menschen geworden durch die Kraft Gottes. - Es wäre ganz und gar falsch, diese Tatsache als „urchristliche Poesie“ abzutun, wie das heute oft durch „moderne Theologen“ geschieht. - Nein, es ist die Beschreibung der alles verändernden Kraft des Heiligen Geistes, die wir für ein sieghaftes missionarisches Christenleben dringend brauchen! Freilich schützt uns der Heilige Geist nicht vor Verfolgung und Leiden um Jesu Willen, das erfuhren die Jünger auch sehr bald nach Pfingsten. Aber sie hatten nun einen Beistand anstelle der leiblichen Gegenwart des Herrn, der sie nicht allein ließ und ihnen mit durchdringender Weisheit und Begabung beistand, daß selbst die Feinde Jesu ins Staunen kamen. So hieß es von den Jüngern: „Sie sahen aber den Freimut des Petrus und Johannes und wunderten sich; denn sie merkten, daß sie ungelehrte und einfache Leute waren, und wußten auch von ihnen, daß sie mit Jesus gewesen waren“ (Apg.4,13).

- Einige „kluge“ Menschen meinen heute zwar, wir bräuchten die Kraft des Heiligen Geistes nicht mehr und sie wäre nach Vollendung des neutestamentlichen Kanons (gemeint ist die Zusammenstellung der neutestamentlichen Schriften) quasi gewichen oder überflüssig, aber das kann ich weder der Bibel entnehmen, noch entspricht es der christlichen Lebenswirklichkeit aller Jahrhunderte. Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit (Hebr.13,8)! Und dasselbe gilt für Gott-Vater und den Heiligen Geist ebenso! - Alle, die missionarisch wirklich aktiv sind, müssen bestätigen, daß sie auf die übernatürliche Kraft des Heiligen Geistes angewiesen sind! Afrika ist da ein Beispiel. Oftmals bedarf es aber bei uns schon dieser Kraft, im Gespräch mit fremden Menschen, nur um ein einziges Zeugnis des Glaubens an Jesus geben zu können!

Also, es bleibt dabei, wir brauchen wirklich alles, was uns der Herr vom Himmel zugedacht und zugesagt hat, um IHN vollmächtig zu bezeugen! Da lassen wir uns von niemandem ein X für ein U vormachen!

- Klar, daß diese Tatsache dem Teufel nicht gefällt und er sich darum allerlei einfallen läßt, um uns das alles auszureden, oder die Kraft des Heiligen Geistes „madig“ zu machen. - Ja, er schreckt nicht einmal davor zurück, die Kraft und die Gaben des Heiligen Geistes dämonisch nachzuäffen, nur eben mit unbiblischen Abweichungen, die ein bibeltreuer Christ aber auch sofort durchschaut. Denn alles Mögliche versteht „der alte Feind“ zu imitieren, nur bibeltreu kann er bei seinen Plagiaten (Nachahmungen) eben nicht sein! - Daran erkennt der geübte Christ „den  alten Pferdefuß“! - Wie wunderbar ist es doch, wenn der Heilige Geist ein Kind Gottes in der Situation befähigt, ein durchschlagendes Wort der Weisheit und der Erkenntnis Gottes zu sagen, das beim Hörer Glauben an Jesus bewirkt! - Wie wunderbar ist es, wenn ein gläubiger einfacher Christ oder auch „ein gläubiger Theologe“ aus dem reichen Schatz des Wortes Gottes „Altes und Neues hervorholt“ und die Glaubensgeschwister gestärkt und ermutigt werden. So sagt Jesus in Mt.13,52: „Darum gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt“!

- Ja, auch in Verfolgung und selbst als Märtyrer, wie z.B. einst Stephanus in Apg.6, oder wie heute Christen in Sudan, Irak oder Nigeria; überall machen Glaubensgeschwister dieselbe Erfahrung des Beistands durch die Kraft des Heiligen Geistes, der sie auch im Leiden und im Sterben nicht allein läßt - der sie selbst im Tod noch zum Zeugnis setzt! - Auch wir in Deutschland und dem zunehmend gottloser werdenden Europa sind vor allem in Zukunft dringend auf den Beistand des Heiligen Geistes angewiesen! In Röm.15,13 sagt Paulus:

„Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, daß ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.“ - Und in 1.Thess.1,5 bezeugt er:„...unsere Predigt des Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Gewißheit.“ Und den Korinthern schreibt Paulus: „Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen, als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft (1.Kor.2,2-5)! Die „Sündenmauer“ zwischen dem modernen Menschen heute und dem heiligen Gott läßt sich  eben nicht durch „menschenfreundliche christliche Unterhaltung“ durchbrechen, sondern allein durch die Kraft des Heiligen Geistes, der die letzte Festung menschlicher Selbstrechtfertigung der Sünde niederreißen kann (Bonhöffer)! - So laßt uns nun ganz neu wieder um die Kraft des Heiligen Geistes bitten, daß durch unser Wirken nach Gottes Willen „die Vollzahl“ aus dem Heer der Ungläubigen gerettet werde, daß wir uns so auch als gute Zeugen Jesu erweisen - zu Seiner Ehre! Amen!  Euer P. R.Sorger

 

O Heiliger Geist, o heiliger Gott,

Du Tröster wert in aller Not,

Du bist gesandt vons Himmels Thron,

von Gott dem Vater und dem Sohn.

O Heiliger Geist, o heiliger Gott.

 

O Heiliger Geist, o heiliger Gott,

mehr unsern Glauben immerfort;

an Christus niemand glauben kann,

es sei denn durch Dein Hilf getan.

O Heiliger Geist, o heiliger Gott.

 

O Heiliger Geist, o heiliger Gott,

erleucht uns durch Dein göttlich Wort;

lehr uns den Vater kennen schon,

dazu auch Seinen lieben Sohn.

O Heiliger Geist, o heiliger Gott.

Johann Niedling 1651