Befiehl du deine Wege...

Vor 400 Jahren wurde am 12.März 1607 in Gräfenhainichen (Sachsen), einer der bekanntesten evangelischen Liederdichter geboren. Es war Paul Gerhardt. Sein ganzes Leben und seine Lieddichtungen zeugen von einer tiefen lebendigen Jesusfrömmigkeit, die auch in schwersten Tagen bis heute den Trost und die Zuversicht des Heiligen Geistes atmen.

Er wurde als Sohn eines Bürgermeisters, Bauern und Gastwirts geboren. Als er 12 Jahre alt war, starb der Vater, zwei Jahre danach seine Mutter. Paul Gerhardt, hochbegabt, konnte dennoch die Fürstenschule in Grimma besuchen. In der Folge des Dreißigjährigen Krieges (1618-48) entvölkerte die Pest die Stadt und die Schule. Aber Paul Gerhardt  hielt tapfer aus. Am 15.Dezember 1627 verließ er Grimma mit dem Zeugnis für den Besuch einer Universität und studierte ab 1628 Theologie in Wittenberg. Hier lebte er auch nach Abschluß des Studiums als Hauslehrer bis 1642. Mit Krieg, Tod, Not und Elend reichlich erfahren, drückt er seinen Glauben dennoch zuversichtlich in unzähligen Versen aus. So singt er von seinem Leben im zweiten Vers seines Pilgerliedes:

            Was ist mein ganzes Wesen

            von meiner Jugend an

            als Müh und Not gewesen?

            Solang ich denken kann,

            hab ich so manchen Morgen,

            so manche liebe Nacht

            mit Kummer und mit Sorgen

            des Herzens zugebracht ... 

1643 übersiedelte Paul Gerhardt nach Berlin und ist dort bis 1651 Hauslehrer bei einer Familie namens Berthold, deren Tochter er später heiratet. 1651 bekommt er endlich eine feste Anstellung als Propst in Mittenwalde unweit von Berlin. 1655 heiratete er Anna Maria Berthold. 1657 wird er Pfarrer an der großen Nikolai-Kirche in Berlin. Im Rahmen theologischer Auseinandersetzungen zwischen Lutherischer und Reformierter Theologie vertritt er als Wortführer gegen seinen Kurfürsten die Lutherische Position und wird darauf von diesem 1666 aus seinem Amt entlassen. Die Weigerung, das preußische Toleranzedikt zu unterzeichnen, macht ihn ein Jahr später arbeitslos. Er hatte im Auftrage der Kirchenleitung Berichte und Eingaben an den Kurfürsten mitverfaßt und -unterzeichnet und stand somit als einer der Wortführer der Unerschütterlichen in deren vorderster Reihe. Diese Schriften lassen ihn als sattelfesten Theologen, gewandten Dialektiker und klaren, logischen Denker erkennen. Zwar konnte er aufgrund vieler Bittschriften sein Amt noch bis 1667 ausüben, aber seine beharrliche Konsequenz führt zum Verlust der Pfarrstelle. Ein Jahr später verstarb in dieser Not auch noch seine Frau, vier der fünf Kinder waren ihr bereits vorausgegangen. Nach zwei Jahren ohne Dienst und verarmt, wurde er schließlich 1669 „Archediakon“ (Pastor) in einem ganz abgelegenen Ort, Lübben im Spreewald, wo er nach sieben einsamen Jahren starb († 27. Mai 1676 Lübben in Brandenburg). Sein Leben und dichterisches Werk zeigt, wie ein wiedergeborener Christ auch in schwersten Zeiten Trost, Hilfe und Zuversicht von Gott empfängt und nicht an den Verhältnissen scheitert. Seine Liedverse geben uns als Christen im 3.Jahrtausend noch denselben Zuspruch und Anhalt, wie sie  Paul Gerhardt und seinen Zeitgenossen. Die Verhältnisse haben sich geändert, nicht aber die Menschen mit ihrem Glauben und den Anfechtungen. Darum:

Auf, auf, gib deinen Sorgen   

und Schmerzen Gute Nacht,                                   

laß fahren was das Herze                                                                                                

betrübt und traurig macht;                                                                                                

bist du doch nicht Regente,                                                                                                                

der alles führen soll;                                                                                                                 

Gott sitzt im Regimente                                                                                                                         

und führet alles wohl.

Wohl dir du Kind der Treue,                                                                

du hast und trägst davon                                                                                                    

mit Ruhm und Dankgeschreie                                                                                               

den Sieg und Ehrenkron‘;                                                                                                       

Gott gibt dir selbst die Palmen                                                                                                            

in deine rechte Hand,                                                                                                                  

und du singst Freudenpsalmen                                                                                                    

dem, der dein Leid gewandt.           Aus Befiehl du deine Wege von P.G.