Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben!  Joh. 14,19     

Ihr lieben Missionsfreunde!

Dieses Wort aus den sogenannten „Abschiedsreden“ unseres Herrn Jesus an seine Jünger will für jeden  von uns ein ermutigender Zuruf zu Beginn des neuen Jahres sein. Als Jahreslosung will es uns ermutigen, dem Herrn zu folgen und nicht angstvoll auf die bedrohliche Entwicklung in der Völkerwelt zu schauen. - Ja, es stimmt, alles gerät ins Wanken, die Völkerwelt, die Weltwirtschaft, die christlichen und bürgerlichen Werte, die einst das Abendland erhielten und voranbrachten, die Kirchen und Gemeinden, alles worauf man sich bei seiner ganzen Lebensplanung bisher verlassen konnte. Die Jünger hörten damals die obigen Worte in  ähnlichem Zusammenhang wie wir; Jesus sagte dieses ja in Erwartung Seines kommenden Leidens und Sterbens. - Die Jahre mit Jesus waren für die Jünger eine wirklich „selige Zeit“ gewesen, in der sie gerne „Hütten gebaut“ hätten, um die wunderbare Gegenwart des Herrn für immer hier zu bewahren (Luk. 9,33). Doch nun redete Er von Seinem eigenen Sterben und Weggehen aus dieser Welt. Was konnte das dann aber noch für ein Leben sein für sie?! - Natürlich wußten sie auch damals schon, daß Jesus ein Ewiges Leben haben würde, wie Er es vor Seiner Menschwerdung hatte. Daß Er aber in Israel sterben würde, war für sie nicht vorstellbar. Schönes festhalten, das möchten auch wir gern. Freilich, von einem Christentreffen bei dem man „Feierlaune“ mitbringen soll, wie es zum Beispiel für das „Christival 08“, die Werbung sagt, wußten natürlich auch die Jünger damals noch nichts! - Solche „Wohlstands- und Wohlfühlpropaganda“ gab es unter ihnen noch nicht. Solches wurde nur als Kennzeichen für „die letzte Zeit, des Abfalls vom Herrn“ vorausgesagt (Röm. 16,18). Nein, solch‘ ein „Party-Christentum“, ist wohl eher eine Verführung, als ein Leben aus der Kraftquelle Gottes. - Jesus verheißt eben keine „tolle Feststimmung“ unter vielen Gleichgesinnten (das Wort „toll“ ist ein anderes Wort für „verrückt“ - wir sollten es auch nur in dieser Weise benutzen und nicht als positiven Begriff). Christus gibt vielmehr die Verheißung eines Lebens aus der Kraft des Heiligen Geistes für die Seinen! Er redet vom „Beistand und Tröster“, den sie für die Zeit seiner körperlichen Abwesenheit dringend brauchen werden! - Paulus bringt dieses neue Leben mit den Worten auf den Punkt: „Ich lebe; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dargegeben hat“ (Gal.2,20). - Jesus verheißt damit nicht weniger, als daß ER selbst mit dem Vater bei uns sein will - wirklich in jeder Situation unseres Christenlebens! - Euer Herz erschrecke nicht! Vertraut auf Gott und vertraut auf Mich!“ So sagt Er selbst in Joh.14,1. - Was aber kann das heute bedeuten für Christen zum Beispiel in Sudan oder Indien, denen man ihre Kirche über dem Kopf ansteckt, so daß sie bei lebendigem Leib verbrennen!? - Was kann es bedeuten für Gläubige, die mit 45 Ihren Job verlieren und mit Familie, Haus und Schuldenberg plötzlich vor dem wirtschaftlichen Nichts stehen? - Oder was heißt das für einen Menschen, der plötzlich vom Ehepartner verlassen wird, und so vor dem familiären Scherbenhaufen steht, und doch selbst nichts mehr ändern kann? - Was heißt das für einen alt gewordenen Menschen, der nun wegen seiner Gebrechlichkeit oder einer schweren Krankheit seine eigene Wohnung aufgeben muß, und für den Rest seines Lebens ganz auf die Zuwendungen fremder Menschen angewiesen ist? - Was heißt es für eine Industrienation, wie Deutschland, die Schweiz oder Frankreich, wenn im Zuge einer sich immer rücksichtsloser globalisierenden Weltwirtschaft, ein Unternehmen nach dem anderen aus purem „Renditedenken“ die Arbeitsplätze im eigenen Land abbaut und Fabriken schließt, um im fernen Ausland für eine gewisse Zeit noch billiger zu produzieren und so noch höhere Profite zu machen?! - Wir könnten die individuellen Nöte und die der ganzen Welt weiter so „durchdeklinieren“ und  immer dieselbe Frage stellen. Aber  wir würden vom HERRN immer die gleiche Antwort haben: „ICH lebe und ihr sollt auch leben! - Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende. Es muß also geschehen vor Meinem Kommen!“ -  Der eine oder andere von uns könnte auch ganz persönliche Lebensgeschichten wiedergeben, die es belegen, wie der HERR in Tausend Nöten zu Seinem Wort stand und wunderbar errettete. - Andere könnten hingegen bezeugen, wie Jesus ihnen gerade in den dunkelsten Stunden nahe war und noch immer beisteht, ohne daß die bedrückenden Lebensumstände sich gebessert hätten. Doch Jesus war und ist mit Seinem Leben und Trost immer da. Ja selbst in der Todesstunde ist ER nicht abwesend! Nein, vielmehr am nächsten; wie es Paulus bezeugt: „Wenn aber der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch Seinen Geist, der in euch wohnt!“(Röm 8,11) Das den wahrhaftig Gläubigen von Jesus selbst zugesagte „Ewige Leben“ weicht also auch in der Todesstunde nicht von ihnen! - Wir Jesus-Gläubigen werden nie, also in keiner Phase unseres Erdenlebens, als „Waisenkinder“ zurückgelassen werden, auch nicht in unserer Todesstunde! Immer sind wir „als die bluterkaufte Schar“ unter den Zusagen des HERRN!  ER ist sich und Seinem Wort treu! - Wenn auch wir im Lauf unseres Lebens, wie einst Petrus, zuweilen untreu waren, ER bleibt sich selbst treu und wendet sich vom reumütigen Sünder, der zu IHM zurück kommt, nicht ab! Ja, mehr noch; ER will auch für unsere Glaubenstreue und unser Durchhaltevermögen selber sorgen! Deshalb gibt ER uns das neue Leben aus Seinem Heiligen Geist. Paulus sagt es so:„Und so lebe nun ich nicht mehr selbst, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleische lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20). - Dieses ist der wohl wichtigste und von vielen „Namenschristen“ am wenigsten verstandene Satz, den Paulus uns hinterließ. Er bezeugt uns hier, wie der Heilige Geist eine neue Lebensqualität im Gläubigen bewirkt. „Ich selbst lebe nicht mehr“ - d.h.; mein „adamitisches“ selbstgerechtes und egoistisches Denken und Handeln ist mit Christus am Kreuz gestorben. Ich habe mein altes „Ich“ bei meiner Bekehrung unter das Kreuz gebracht, mit der Taufe in den Tod gegeben und halte es nun auch für tot (Röm.6,2). - Wenn mich z.B. nun ein Mensch beleidigt oder verletzt, so trifft er ja immer nur den mit Christus gekreuzigten „toten Leib“, der zwar noch „im Fleisch lebt“, also noch da ist; doch nichts und niemand kann mir nun das neue Leben, was ich im Heiligen Geist vereint mit Jesus hier lebe, wirklich nehmen. Was ich jetzt lebe, das lebt Christus in mir durch den Heiligen Geist. Deshalb ist auch die Heiligung nun nicht mehr eine selbstquälerische Sache für mich, sondern ein Werk, das der Herr selbst in mir vollbringt. - Das ist das neue Leben, von dem Jesus und Paulus sprechen. Dieses „Christus in mir“, dieses „Leben im Heiligen Geist“, das ist es, was im Neuen Testament schlechthin mit Glauben bezeichnet wird. Glaube ist nach diesem biblischen Selbstverständnis  nicht eine rationale, intellektualistische, verstandesmäßige oder religiöse Idee, wie das bei vielen Theologen und Namenschristen der Fall ist. Es ist einzig und allein die Frucht von Jesu Heilandliebe und ganzer Hingabe Seines heiligen Lebens für die unwerten Sünder (für dich und mich)! - „Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich am Kreuz hingegeben hat“ - das ist die entscheidendste geistliche Erfahrung und Haltung, die es für einen wiedergeborenen Christen auf dieser Erde geben kann. Dieses zu fassen, bewirkt der Heilige Geist als der gegenwärtige Sachwalter des erhöhten Herrn Jesus im Gläubigen. Deshalb sagt Paulus auch mit einem nicht überbietbaren Nachdruck: „Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht Sein“ (Röm. 8,9)! - Spätestens an dieser Stelle, merkt nun jeder Leser, wie es mit ihm  steht. Hier wird glasklar deutlich, was es heißt, erlöst durch Jesu Blut zu sein, von Sünde, Tod und Teufel los, und wie sehr sich der wahrhaft Gläubige vom Namenschrist automatisch unterscheidet. - Die ethische Frage lautet dann auch nicht mehr, „was kann ich noch mitmachen, ohne den Herrn damit zu verleugnen“, sondern, was gefällt dem Herrn?!  Die Antwort darauf gibt der Heilige Geist jedem Gläubigen gewiß so klar und spontan, daß sich eine große „ethische Abhandlung über das gottwohlgefällige Leben eines Christen“ erübrigt. „Was wird Jesus dazu sagen“ ist der allgültige Maßstab, an dem alles in einem Leben aus dem Geist gemessen wird. Was verherrlicht oder was verunehrt meinen Herrn, wird als universelle Frage dann genügen. „Ich lebe und ihr sollt auch leben!“ - Dieses Jesuswort bekommt so eine viel größere Tiefe. Es steht nicht als eine endzeitliche Vertröstung auf ein neues Leben mit Jesus nach dem Tod für alle Gläubigen. Es hat ein Leben zu bieten, das in der Ewigkeitsdimension schon jetzt beginnt. - Lieber Leser, wer immer Du auch bist und was immer du bisher gedacht hast über Jesus und das Ewige Lebens; es kann sein, daß Du dein Glaubensleben nun neu überdenken mußt. Vielleicht mußt du dem Herrn bekennen, daß du bisher von IHM viel zuwenig erwartet und IHN mit Deinem Christenleben beleidigt hast. Er will nicht bloß „dein kleiner Helfer“ in Notsituationen sein, in denen du selbst nicht mehr weiter kommst. ER will in dir Wohnung machen als dein Heiland mit dem Vater und dem Heiligen Geist! Und ER will Sein Leben in dich geben, daß du zu einem Seiner Glieder auf dieser Erde wirst, mit dem ER an anderen in dieser heillosen Welt handeln kann! Merkst du, es geht hier nicht mehr um „Selbstverwirklichung des Menschen“ unter christlichem Vorzeichen. Es geht  um das göttliche Leben, welches der Herr schon hier auf dieser Erde beginnen will. Ein christliches „Spaß und Selbstverwirklichungsstreben“ ist dagegen nur ein kindisches „Glasperlenspiel“, mit dem der Teufel die Kinder Gottes ablenkt von der herrlichen Freiheit, die uns Jesus am Kreuz erworben hat. Darum laßt uns dieses wunderbare neue Leben mit Jesus im Heiligen Geist schon heute leben und mit nichts weniger zufrieden sein, als daß der Herr in uns Sein neues Leben hervorbringt! - In IHM verbunden grüßt  Euer  R. Sorger,  Missionsleiter

Jesus, der Du bist alleine,

Haupt und König der Gemeine:

segne mich, Dein armes Glied;

wollst mir neuen Einfluß geben

Deines Geistes, Dir zu leben;

stärke mich durch Deine Güt!

 

Ach Dein Lebensgeist durchdringe,

Gnade, Kraft und Segen bringe

Deinen Gliedern allzumal,

wo sie hier zerstreuet wohnen

unter allen Nationen,

die Du kennest überall.

 

Oh, wie lieb ich, Herr, die Deinen,

die Dich suchen die Dich meinen;

oh wie köstlich sind sie mir!

Du weißt, wie mich‘s oft erquicket

wenn ich Seelen hab erblicket,

die sich ganz ergeben Dir.

Gerhard Tersteegen