„Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet?“

Ihr lieben Missionsfreunde, das ist wohl die provozierendste Frage, die man Jesus Gläubigen stellen kann - und doch stellte sie der Apostel Paulus den Christen, in Ephesus(Apostelgeschichte. 19,1-7). - Diese Christen waren durch die gute Verkündigungsarbeit des Evangelisten Apollos zum Glauben an Jesus gekommen. - Das heißt, sie hatten über ihr bisheriges sündiges Leben Buße getan und Jesus Christus als ihren persönlichen Retter von Sünde, Tod und Teufel angenommen. Sie trafen sich regelmäßig, um in der Heiligen Schrift zu forschen (dem AT damals) und den Herrn zu loben. Und doch fehlte ihnen etwas Wesentliches. - Was konnte das nur sein? - Viele Evangelisten heute wären froh, wenn die Gläubigen nach ihrer Evangelisation das alles täten und würden sagen, „...nun habt ihr alles, was ihr braucht!“ - Nicht so der Apostel Paulus. Er merkte sofort, daß ihnen jenes Feuer des Heiligen Geistes noch unbekannt war, von dem Johannes der Täufer schon prophetisch sagte: „...nach mir kommt einer, der wird mit Feuer und Heiligem Geist taufen...“ (Matth.3,11).

- Ihr lieben Geschwister, dieser Mangel ist heute noch unter uns weit verbreitet. Es gibt viele wertvolle Christen, die haben wirklich Buße getan, - ihr Leben in einer stillen Stunde im Gebet, oder auch laut vor Zeugen, dem Herrn übergeben, sie haben Gewißheit der Sündenvergebung erlangt, und gehen treu den Glaubensweg. Aber man spürt dennoch, es fehlt etwas Wichtiges, eben das neue Leben aus der Kraft Gottes von dem die Schrift an vielen Stellen redet. - Der gläubige Theologie-Professor, Werner de Boor, schrieb in seinem Kommentar zur Bibelstelle schon vor über 35 Jahren: „Wer in der seelsorgerlichen Arbeit steht, merkt auch heute oft genug noch im Gespräch und gemeinsamen Beten diesen eigentümlichen Mangel und muß die gleiche Frage stellen wie Paulus damals.... - Es gibt eben doch in Wirklichkeit vieles, was es nach unserer Meinung nicht geben kann.“ –

Was war damals und was ist heute die Ursache dafür?  - In Ephesus war es der „Missionsfehler“ des Apollos, - daß er den Inhalt des dritten Artikels des Glaubensbekenntnis, „über den Heiligen Geist“, nicht gelehrt hatte; und demzufolge tatsächlich, nur bei der „Bußtaufe“, wie sie Johannes der Täufer praktizierte, hängen geblieben war, obwohl er sonst richtig im Namen Jesu lehrte und taufte. - Er selbst aber war, zwar ein im Heiligen Geist glühend lehrender Evangelist, dennoch unterlief ihm dieser echt gravierende „Missionsfehler“. - Leider tritt dieser Fehler bis zum heutigen Tag immer wieder neu auf. Obwohl wir das Neue Testament zusätzlich noch haben und obgleich zahlreiche Prediger des Evangeliums sich bemühen, „bibeltreu“ zu verkündigen. Es wird zwar Buße gepredigt, die Lebensübergabe an Jesus und auf den treuen Gebrauch der Bibel in Gemeinde und zu Hause hingewiesen, aber das Gebet um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist wird allzu oft vergessen, oder sogar bewußt unterschlagen. - Dabei ist der Heilige Geist in Seiner ganzen Fülle für ein fruchtbares Glaubensleben in der heutigen Zeit nötiger denn je! - Viele unserer geliebten Mitchristen gleichen oft „Autos ohne Kraftstoff“. Sie sehen schön aus in der Versammlung und im Gottesdienst; aber es fehlt die Kraft, die sie im Glaubensleben vorwärts bringt. - Immer haben sie dieselben Probleme, über Jahre. Sie haben keinen Sieg über alte Sünden, jede Enttäuschung und jede Anfechtung wirft sie im Glauben weit zurück und mancher steht in der Gefahr, die Gewißheit seiner Gotteskindschaft zu verlieren und gänzlich dem Herrn „ade“ zu sagen. - Und die größte Tragik ist zuweilen, daß der zuständige Pastor zur Beruhigung beständig verkündigt, „wenn Du nur Jesus angenommen hast und getauft bist, dann ist alles getan. Eine weitere Erfahrung ist überflüssig und bloß Bestandteil einer falschen Lehre bestimmter christlicher Kreise.“ -   Dem widerspricht nicht nur kräftig die Geschichte der Epheser Christen, sondern vielmehr auch die ganze Heilige Schrift: „Ihr werdet die Kraft aus der Höhe empfangen und werdet meine Zeugen sein“ (Lukas 24,48f), sagt Jesus nicht umsonst! - Aber umsonst scheint diese und viele andere Bibelstellen für manch einen in der Bibel zu stehen. - Man hat zuweilen den Eindruck, der Heilige Geist solle gewissermaßen als harmloser „Verschnitt“, in kleinsten unwirksamen Dosierungen, ordentlich „mit dogmatischen Etiketten“ versehen, über Jahre hinweg den Gläubigen verabreicht werden, damit nur ja in den Gemeinden alles schön ruhig „seinen Gang“ geht. - Die obige Frage des Paulus heute in einer Gemeinde gestellt, löste leider allzu oft nur Entrüstung aus und man würde dem Fragesteller „geistlichen Hochmut“ oder noch Schlimmeres unterstellen. - Wenn wir aber wirklich bibeltreu sein wollen, dann müssen wir uns diese Frage gefallen lassen! - Bei aller Schwärmerei und Übertreibung, die es in den letzten hundert Jahren unter dem Vorzeichen „geistlicher Erweckung“ gegeben hat, bleibt dennoch redlicherweise festzuhalten: 

Die Bitte um den Heiligen Geist ist nicht nur legitim und notwendig, sie ist das biblisch begründete Gebet um die Kraft Gottes im Leben des Gläubigen!  Im Licht des biblischen Wortes und der Apostelerfahrung dürfen wir uns nicht von aktuellen Fehlentwicklungen und selbst von gewaltigen schwärmerischen Irrtümern wie z. B. dem so genannten, „Torontosegen“ abschrecken lassen. Wir haben das Wort Gottes, um zu prüfen. Was die Bibel über den Heiligen Geist sagt, muß für uns allemal wichtiger sein, als die Frage nach den möglichen Fehlentwicklungen oder Irrtümern in der Gemeinde!  Der Herr will uns immer wieder neu in alle Wahrheit leiten durch Seinen Geist, und Ängstlichkeit vor dem Heiligen Geist ist nicht nur unbiblisch, sondern auch eine echte Beleidigung Gottes, der ja eben durch Seinen Geist mit Jesus in unseren Herzen wohnen will (Joh. 14,23). Woher wollen wir sonst Trost, Kraft, Zuversicht und Mut bekommen, in dieser immer chaotischer werdenden Welt? Und wie wollen wir unabhängig von den äußeren Umständen, fröhlich Jesus als Retter den Menschen bezeugen?!  -  Die Welt sieht und kennt den Heiligen Geist nicht, und es ist ihr ein Rätsel, woher Christen ihre Kraft und ihren Mut nehmen, gegen den Strom des Zeitgeistes zu schwimmen und dabei dennoch fröhlich und anziehend zu bleiben. -  So ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist“, sagt Jesus im Gespräch mit Nikodemus in Johannes 3. Und „wenn du nicht aus Wasser und Geist geboren wirst, so kannst du nicht ins Reich Gottes gelangen“, so sagt der Herr Jesus weiter. - Paulus fügt im Römerbrief (8,9) später noch ganz klar und deutlich hinzu: „...wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht Sein“. - Wir sehen also klar von der Heiligen Schrift her, wie nötig wir als Christen den Heiligen Geist brauchen. Es ließe sich eine große Fülle von Bibelstellen anführen, um dieses zu beweisen. Das soll jedoch hier genügen.

Gleichzeitig möchte ich aber den oft gehörten Einwand nicht übergehen, daß es im Lauf der Kirchengeschichte, und gerade besonders auch in den letzten 100 Jahren, große schwärmerische Fehlentwicklungen unter Gotteskindern gegeben hat, die sich auf das Wirken des Heiligen Geistes bezogen. - Tatsächlich haben sich unter dem Vorwand „der Inspiration des Heiligen Geistes“ absolut unbiblische falsche Lehren und Praktiken verbreitet, die bei Vielen das echte biblische Wirken des Heiligen Geistes verdeckten oder sogar schwer in Verruf brachten. Dabei wäre es eigentlich doch einfach und klar, die Dinge anhand der Bibel zu beurteilen, und so zu sortieren; was nämlich biblisch exakt, was menschlich, was „fleischlich“, oder - was gar dämonisch ist. Der HERR hat uns ja nicht als arme Unwissende nach Seiner Himmelfahrt zurückgelassen. ER hat uns verheißen, uns durch Seinen Geist in alle Wahrheit zu leiten, und hat uns im Neuen Testament bis zu Seiner herrlichen Wiederkunft eine verläßliche Anleitung zum Bau Seiner Gemeinde gegeben. Jeder, der sich daran hält, wird auch mit dem Heiligen Geist dieselben guten Erfahrungen machen können, wie sie uns in der Heiligen Schrift von den ersten Jüngern bezeugt werden. -

Es ist ein trauriges Märchen, wenn von verschiedenen Christen die Behauptung erhoben wird, „der Heilige Geist hätte seit dem Abschluß des biblischen Kanons aufgehört, mit Seinen Geistesgaben zu wirken“ - Dazu wird oft „als Belegstelle“ 1.Kor.13,10 zitiert: „...wenn aber das Vollkommene kommt, wird das, was stückweise ist, weggetan werden.“  Und es wird dann kühn behauptet, die nun vollständig vorliegende Heilige Schrift sei „das Vollkommene“ und deshalb seien die zuvor und im folgenden Kapitel aufgezählten „Geistesgaben“ nun als bloßes „Stückwerk“ aufgehoben. Mit dieser Behauptung und dem Hinweis auf dämonische Verirrungen Einzelner in Zeiten der frühen „Pfingstbewegung“ wird dann sogar noch behauptet, alle heutigen Erscheinungen von biblischen Geistesgaben, seien nur seelische- oder gar dämonische Produkte. Leider muß auch hier wieder festgestellt werden; man darf „das Kind nicht mit dem Bade ausschütten“ und sich nicht zusätzlich noch in die Nähe „der Sünde wider den Heiligen Geist“ begeben! Der Heilige Geist will sehr wohl gemäß dem Wort Gottes nach wie vor, Seine Gaben in der Gemeinde Jesu zum Dienst „der Auferbauung des Leibes“ (1.Kor.14) gebrauchen. - Denn wer wollte ernstlich behaupten, daß die prophetische Rede (die Predigt), die Gaben der Heilungen, die Gabe der Geisterunterscheidung und die des Glaubens heute überflüssiger seien, als zur Apostelzeit?! Das alles wird nämlich als „Stückwerk“ in 1.Kor.13 bezeichnet! Ebenso wenig können wir die übrigen Geistesgaben für überholt oder überflüssig erklären. –

Von Menschen mißbraucht werden können ja grundsätzlich alle Gaben. – Wer sind wir, daß wir uns über Gottes Wort und Gottes Möglichkeiten erheben?! - Wir haben doch die Heilige Schrift als Maßstab und als helle Leuchte in dieser verdunkelten Zeit! - Wort und Geist stimmen überein, und wo das nicht der Fall ist, da müssen wir sehr genau hinsehen!!!

Also, laßt uns den Heiligen Geist nicht betrüben!  - Denn Er ist „die himmlische Anzahlung“, welche uns der HERR schon hier auf der Erde gegeben hat bis zum Tag der völligen Erlösung, wo wir vom Glauben zum Schauen kommen werden (Epheser 4,30)! - Dann ist der HERR als der Vollkommene da - und dann wird auch „das Stückwerk“ nicht mehr nötig sein; aber erst dann! - Bis dahin wollen wir uns nach dem Heiligen Geist ausstrecken, füreinander beten, - mit oder ohne Händeauflegen, und uns nicht durch Fehler und gewaltige Irrtümer Anderer den Heiligen Geist suspekt machen lassen! Er ist der Beistand aller wahrhaftig Gläubigen und „Motor“ jeder echten Gemeinde- und Missionsarbeit, ohne den wir nicht viel mehr, als ein wenig „christlichen Wind“ machen können. - Natürlich muß nicht jeder, wie in Ephesus, die Hände aufgelegt bekommen. - Die gläubig gewordenen Heiden im Hause des Cornelius (Apg.10) empfingen den Heiligen Geist beim Hören der Predigt des Petrus, so daß sie im Nachhinein ohne weitere Belehrung getauft wurden. - Der erste afrikanische Christ zog ohne groß sichtbare Geistesgaben fröhlich seine Straße, nachdem er getauft war (Apg.8). -  Petrus und Paulus legten den Gläubigen oft die Hände auf und beteten für sie um den Heiligen Geist, - so auch in Ephesus. - Freilich soll man daraus nur ja kein Rezept ableiten, - weder in der einen, noch in der anderen Richtung. - Auch ist es keineswegs notwendig, in Sprachen beten zu können, selbst wenn uns die Apostelgeschichte diese Erfahrung als die häufigste Begleiterscheinung des „Getauftwerdens im Heiligen Geist“ überliefert. Paulus läßt sich breit in 1.Kor.14 über diese irrige Ansicht der Korinther aus. - Trotzdem kann niemand Paulus und den Aposteln Verachtung der Sprachengabe unterstellen. - Aber auf die Erfüllung mit dem Heiligen Geist legten sie, und auch unser HERR, größten Wert! - Was wären wir, oder was sind wir ohne den Heiligen Geist?! Darum muß jeder Gläubige die obige Frage des Paulus ganz klar für sich beantworten können.

Das ernste und vorbehaltlose Gebet um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist bleibt uns darum als „Not-wendig“ aufgetragen! - Das Schriftwort: „...ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet...“ ist besonders gerade in dieser Angelegenheit gültig. Freilich muß sich auch im Blick auf dieses Wort aus Jakobus 4,2f. jeder selbst fragen, ob nicht „die Liebe zur Welt“ in all ihren Facetten und zu allem, was der Herr als Sünde nennt, der Erfüllung mit dem Heiligen Geist entgegensteht. - Leider hat sich „eine neue Weltlichkeit“ auch in die besten Gemeinden eingeschlichen. Der Herr gibt Seinen Heiligen Geist wirklich nur in „gereinigte Gefäße“ und will, daß sie rein bleiben, sonst zieht Er sich zurück (1.Joh.1,5ff).

Laßt uns also in dieser letzen Zeit mit Ernst und Ausdauer für die ganze uns von Gott zugedachte Fülle des Heiligen Geistes beten! - Gott wird uns keine „Schlangen oder Skorpione“ dafür geben; so hat es Jesus uns zugesagt (Lukas 11, 11-13), und das wollen wir IHM auch wirklich glauben! -  In Jesus verbunden  Euer P. Reinhard Sorger, Missionsleiter

Bibel für die Welt - Missionswerk e.V. Sulz     www.goldene-worte.de