Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!

Johannes 1, 29

Wieder, und immer wieder aufs Neue staunend, stehen wir vor dem unfasslichen Kreuzesgeschehen. Seit Golgatha haben unzählige Menschen versucht, das unbegreifliche Ereignis künstlerisch zu beschreiben. In Musik, Gesang, darstellender Kunst und auch literarisch. Aber diese Passion ist eben nur bruchstückartig menschlich zu begreifen. Der Maler Matthias Grünewald hat auf sehr ergreifende Weise das Wichtigste darzustellen versucht. Mit überlangem Finger zeigt die Figur Johannes des Täufers, mit dem Lamm zu seinen Füßen, auf Jesus und deutet so auf seine eigenen prophetischen Worte hin: “Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.“ In der linken Hand hält er das Alte Testament mit Jesaja 53, dem Gottesknechtslied, aufgeschlagen. Der schwärzliche Hintergrund dieser Kreuzesdarstellung deutet nicht nur die Verfinsterung der Sonne um die Mittagstunde des Karfreitags an, vielmehr zeigt er uns auch den ganzen Ernst von Karfreitag. Dieser wirklich einmalig „schwarze Tag“ war nötig, um die Menschheit, um dich und mich, vom heillosen Weg in die ewige Verdammnis zu erretten. Alle Rebellion, aller Ungehorsam, jede nur denkbare Sünde, alle Bosheit der Welt wurde an diesem Tag bestraft. Die Strafe für alles traf Jesus und hing an seinem Leibe. - Alle erdenklichen und nicht vorstellbaren seelischen Qualen durchwühlten die Seele des Herrn Jesus am Kreuz. Ja, die schlimmste Gottverlassenheit der Welt bohrte sich mit unerträglichem Schmerz durch seine Seele, so daß er schrie: “Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!“ - Heute wissen wir, warum der Vater im Himmel ihn eine kurze Zeit mit aller unbeschreiblichen Qual einen Augenblick allein ließ; - damit wir niemals so gottverlassen sein müssen. Ja, Ihr lieben Geschwister im Herrn, nicht einmal mehr der Tod kann uns in eine solch große Gottverlassenheit bringen, wie sie Jesus erlitt! Er trug das Schlimmste für uns, damit wir frei ausgehen können. Das ist die bittere und zugleich unbegreiflich „süße“ Nachricht für uns Menschen - Jesus, unser Opferlamm trug unsere Sünde - „So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einzigen Sohn dahingab, damit alle, die an Ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben“ (Johannes 3,16). Es ist gut für uns vergessliche Menschen, wenn wir jedes Jahr aufs Neue durch Karfreitag an Jesu schreckliche Qualen erinnert werden, auch wenn uns das kein menschliches Vergnügen bereitet. Doch auf  diese Weise werden wir nicht von der uns ständig umgebenden „Spaßgesellschaft“ infiziert, welche uns glauben machen will, wir seien auf dieser Erde, nur zu unserem Vergnügen. Das Kreuz bringt uns immer wieder neu auf den Boden der irdischen Tatsachen und Gottes Heilstatsachen zurück, daß wir nur ja  nicht in irrer Vermessenheit abheben. Es kostete schließlich dem Gottessohn sein unschuldiges Leben, damit wir frei ausgehen können im Gericht, wenn der Herr einst am Ende die Toten und die Lebenden richten wird. - Wer das begriffen hat, den kann „der Spaß der Sünde“ nicht mehr sehr reizen. Wie sollte er auch Freude daran haben können, was seinen Herrn und Heiland ans Kreuz brachte!  Wer die Güte und Freundlichkeit des Herrn in seinem Leben geschmeckt hat, wer Golgatha für sich selbst begriffen und mit seinem Herzen erfasst hat; wer im Geist mit Maria Magdalena „unter dem Kreuz gekniet“ und über seinen eigenen Sünden geweint hat, die den Herrn dorthin brachten, der will seinen Herrn und Heiland nicht mehr aufs Neue mit Sünden betrüben. Wer dort die Liebe Gottes im Glauben anschaute, der will fortan Jesus nachfolgen.  Deshalb kommt kein Mensch mehr an Golgatha vorbei! - Deshalb muß jeder persönlich im Geist nach Golgatha gehen, um seiner Erlösung auch ganz teilhaftig zu werden:

Ich, ich und meine Sünden,

die sich wie Körnlein finden

des Sandes an dem Meer,

die haben dir erreget

das Elend, das dich schläget,

und das betrübte Marterheer.

So dichtete einst Paul Gerhard in anbetender Bewunderung; und Johann Sebastian Bach drückte dasselbe in seiner Johannespassion so aus:

Von den Stricken meiner Sünden mich zu entbinden,

wird mein Heil gebunden.

Mich von allen Lasterbeulen völlig zu heilen,

läßt er sich verwunden.

Diese wunderbare Botschaft  allen Menschen weiterzugeben, ist unsere vornehmste Aufgabe an dieser dem Kommen Jesu ahnungslos entgegen taumelnden Welt! Wer errettet ist, der kann es nicht lassen, er muß es anderen weitersagen! Gerettetsein bringt Rettersinn! - Freilich haben wir zuweilen unsere Schwierigkeiten, wenn es darum geht, diese gute Botschaft an den Mann und die Frau zu bringen. Manchmal entdecke ich mich selbst beim „Sortieren“. Dann schießt es mir durch den Kopf: “Nein, der oder die nicht, sie werden das Wort nicht annehmen und über Dich lachen.“ - Und dann höre ich die nachdrückliche Stimme meines Herrn Jesus im Herzen, wie er fragt: „Bin ich nicht auch für diesen Menschen am Kreuz gestorben?“ Und dann muß ich beschämt antworten: „Ja, HERR, Du hast recht, ich will nicht mehr sortieren!“ Und sogleich schenkt der Herr Kraft, Mut und Fantasie, mit wenigen freundlichen Worten und einem aus dem Herzen kommenden Lächeln, auf Jesus hinzuweisen oder sogar ein „Goldenes Wort“ aus der Bibel zu verschenken. Und vielleicht war dieses der letzte oder gar entscheidende Anstoß, den jener Mensch bekam, um mit seinem ganzen Leben unter das Kreuz Jesu zu kommen. - Welch ein Jubel wird einmal im Himmel sein, wenn Dich und mich plötzlich ein unbekannter Erlöster anspricht und sagt: „Weißt noch, damals, als du mich angesprochen hast? - Das war der entscheidende Anstoß für mich, Jesus als meinen persönlichen Heiland aufzunehmen!“             

Jesus schließt eben keinen Menschen von vornherein aus. Seine Gnade ist von Golgatha her jedem Menschen angeboten. Das sollten wir nie übersehen!  Seine Vergebung galt dem Verbrecher am Kreuz und sie gilt sogar noch einem Bin-Ladin heute, wenn der mit seiner tausendfachen Blutschuld im Geiste nach Golgatha käme! -

Der Apostel Paulus sagt, ganz von den Wunderwegen Gottes angerührt: „O, welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!“ (Römer 11, 33) - Das gilt zunächst einmal den Wegen mit seinem Volk Israel. In unbegreiflicher Verblendung brachte eine aufgehetzte wetterwendische Mehrheit den sonst so geschätzten und gefeierten Jesus von Nazareth ans Kreuz. Der, auf den sie eigentlich warteten und hofften, wurde schmählich abgelehnt und durch die Hände der Römer getötet. - Aber wegen dieser Ablehnung kam dann das Evangelium von Jesus zuerst zu uns Nichtjuden. Eine „geistliche Decke“ hängt bis zum heutigen Tage noch vor den inneren Augen der Juden. Nur wenige haben bisher Jesus als ihren Messias erkannt. Und dieses ist ihnen zum Gericht bis heute. - Trotzdem haben wir allen Grund das Volk Israel zu segnen und für das Land und die ganze jüdische Nation zu beten und einzustehen. Einmal werden sie ihn als ihren Messias erkennen und ihm dienen. Gerade in dieser Zeit, wo die Welt wieder neu anfängt, mit Worten auf dieses kleine Volk zu hacken, wollen wir für Israel beten; denn dieses Volk leidet bis heute schwer unter seinen Feinden und es wird gehasst und verachtet, weil es Gottes altes Volk ist, das ER erwählt hat und mit dem er noch Großes vorhat. Er hat uns erlöst von Sünde, ewigem Tod und der Gewalt des Teufels durch das Blut seines Sohnes! Das wird einmal auch Israel erkennen, wenn Jesus mit seinen Heiligen und den Engeln Gottes vom Himmel hernieder kommt. Dann wird ein unglaublich großes Osterrufen unter allen Gläubigen sein, dem niemand mehr widersprechen kann. Bis dahin lasst uns also fröhlich und dankbar den gekreuzigten und auferstandenen Herrn bezeugen und ihm mit unserem ganzen Leben dienen! -  R. S.

Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen!   1.Korinther 15,20