Als der HERR die Gefangenen Zions zurückbrachte, da waren wir wie Träumende. Psalm 126,1

 

Liebe Missionsfreunde,

der obige Satz wird von Martin Luther und anderen in der Zukunftsform übersetzt. Also - „Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlöst, dann werden wir sein wie die Träumenden.“ Beide Zeitformen sind nach dem Hebräischen Urtext möglich. Und tatsächlich können auch wir in allen drei Zeitformen, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Herrn Erlösung erfahren. - Wenn Gott in die Menschheitsgeschichte für alle spürbar eingreift, dann ist das jedes Mal für wache Zeitgenossen, wie ein neuer Gottesbeweis. - Hin und wieder brauchen ja auch wir Gläubigen solche geschichtlichen Fixpunkte, an denen das Handeln Gottes einfach erfahrbar wird, und an die wir uns immer wieder gern erinnern. - Freilich lebt der Glauben auf Erden nicht vom Schauen, sondern vom Vertrauen auf Jesus und die Zusagen Gottes, ganz unabhängig vom jeweiligen Ergehen. Aber doch hat der allmächtige Gott in seiner großen Barmherzigkeit immer wieder helfend und auch richtend in die Geschichte Seines Volkes und die der ganzen Menschheit, ja manchmal auch in das Leben des Einzelnen eingegriffen.

Für das alte Volk Israel war es die wunderbare Befreiung aus ägyptischer Sklaverei, die 40-jährige Wüstenwanderung, die wunderbare Landnahme Kanaans und später die überraschende Rückkehr aus der 70-jährigen selbstverschuldeten babylonischen Gefangenschaft. Daran erinnerte sich Gottes Volk immer wieder neu, als Zeichen göttlichen Heilshandelns. Der Psalm 126 ist so ein wunderbares Dankgebet wegen Gottes barmherzigen Eingreifens in die Geschichte Israels. - Nun aber ist dieser Psalm gerade auch für uns Deutsche, die wir an Israel schuldig wurden wie kein anderes Volk, seit 21 Jahren ein wunderbares Dankgebet geworden! Kürzlich feierten wir wieder den 20. Jahrestag der Deutschen Einheit und am  9. Nov. erinnern wir uns erneut des Mauerfalls vor 21 Jahren. - Wer etwas von Historie versteht, der weiß auch um das wunderbare Zusammentreffen von 1000 nötigen Faktoren, die zu diesem epochalen Geschehen führten. - Und ein wirklich ungläubiger Mann, der ehemalige Kommunist Wolf Biermann, bekannte kürzlich freimütig in einer Sendung zum 3.Okt. im ZDF-Fernsehen: „Daß, wenn er religiös wäre, er den Fall der Mauer und den Zusammenbruch des Kommunismus, als einen Gottesbeweis ansehen würde.“ - In der Tat, ähnlich wie nach Israels 70-jähriger Gefangenschaft, der Perserkönig Cyrus aus unerfindlichen Gründen den Beschluß faßte, alle Juden aus seinem Herrschaftsbereich in ihre Heimat zu entlassen und ihnen sogar ihre Tempelschätze wiederzugeben, damit sie ihren Gottesdienst im Tempel samt Jerusalem wieder aufbauen könnten, so tat auch der letzte kommunistische Kremlherrscher mit den Leuten in der DDR. - Sie erhielten über Nacht die Freiheit, hingehen zu können, wohin sie wollten. Was ihnen 40 Jahre bei Lebensgefahr unmöglich erschien, das wurde über Nacht Realität. Eine halbe Mio. unter Waffen stehender Rotarmisten und die ganze DDR-Armee, Polizei und paramilitärische Kampfgruppen, alle mußten taten- und kraftlos zusehen, wie ein ganzes nach Freiheit strebendes Volk sich, mit den Füßen abstimmenden, gegen den 40 Jahre aufgedrückten Kommunismus auflehnte. Innerhalb von 10 Monaten wurde das Werk der Kommunisten, die DDR, aufgelöst und die staatliche Einheit Deutschlands wieder hergestellt!

Wer das damals bewußt oder sogar mitgestaltend erlebt hat, der wird das tiefe Glücksgefühl darüber und die große Dankbarkeit gegen Gott nie mehr vergessen! Und er wird sagen müssen, daß hier ein einmaliges weltgeschichtliches Wunder geschehen ist! - Ein hochgerüstetes, aggressives und feindseliges System starb innerhalb weniger Wochen vor sich hin, ohne einen Tropfen Blut zu vergießen, obgleich es hochgerüstet einem wehrlosen unbewaffneten Volk gegenüberstand! Nach 40 Jahren der Unterdrückung und kommunistischer Volksverhetzung wurden plötzlich Millionen bis dahin feiger DDR-Bürger mutig und äußerten friedlich und öffentlich ihren Willen. - Ich werde nie vergessen, was es für ein Gefühl war, endlich mit Zehntausenden, Montag für Montag, Monate lang in Chemnitz, unserem Zentraldorf im Erzgebirge und überall in Ostdeutschland, die Unfreiheit und Unwahrheit des DDR-Systems per friedlicher Demonstration - quasi, „unter unsere Füße getreten zu haben“. Vorbereitet aber und begleitet wurde das alles durch wenige .zaghafte Gebete von schwachen Christen, die es wagten die Nöte ihrer Landsleute in öffentlichen Gebetsveranstaltungen vor Gott auszubreiten. In kleinen Gruppen und in wenigen Kirchen wurde für eine friedliche Veränderung der Verhältnisse gebetet, - und Gott „hielt dem Löwen den Rachen zu“, daß er weder brüllen noch beißen konnte. Damals dachte keiner daran, daß unser Handeln einmal als „heldenhaft“ bezeichnet würde. Uns war nicht einmal bewußt, daß wir damit auch unser Leben auf der Straße riskierten, wenn sich 1953 wiederholt hätte. Aber das war Gottes Stunde, zu der ER unsere Füße und Herzen benötigte! ER stürzt die Gewaltigen vom Thron und erhöhte die Niedrigen (Lukas 1,52) – doch ganz ohne Gewalt!  Der Psalm 126 bekam in diesen Tagen eine ungeahnte Aktualität und Lebendigkeit für uns alle. - So viele glückliche und fröhliche Gesichter, wie nach dem Mauerfall, habe ich nie wieder gesehen. Zwei Tage nach dem Mauerfall konnte auch ich durch das Brandenburger Tor marschieren und selbst die dort noch ohne Waffen Dienst tuenden Grenzsoldaten hatten jetzt entspannte Gesichter und waren freundlich zu den „Mauer-Touristen.“ - Menschen, denen man mit Angst und Drohung lebenslang ein angespanntes verkrampftes Herz und Gesicht gemacht hatte, die wurden auf einmal gelöst, lachten und weinten zur selben Zeit. So viele glückliche Menschen gab es wohl lange nicht in einem Volk, wie damals unter uns Ost-deutschen! In Westberlin und Westdeutschland gab es wenig später nicht nur das „Begrüßungsgeld“, sondern auch echte Freude, Freundlichkeit und Freundschaft von denen, die schon 40 Jahre lang in Freiheit leben durften. Wir Ostdeutschen waren wochenlang, wie die Träumenden, die ihr Glück nicht fassen konnten! Viele missionarische Aktivitäten in Ostdeutschland und dem gesamten Ostblock wurden nach dem 9.11.‘89 möglich. Bibeln, Medikamente, Hilfssendungen und der Austausch von Gedanken und Menschen war nun unbegrenzt möglich - durch Gottes Eingreifen in die Geschichte unseres Volkes und die der Völker des ganzen Ostens.

- Daß vieles von der deutschen Einheit heute noch nicht vollendet ist, und Herzen in Ost und West sich zuweilen noch fremd gegenüberstehen, das liegt nicht an Gottes wunderbarem Handeln vor 21 Jahren, sondern an den vielen noch unbekehrten Menschen in Ost und West. Natürlich hat sich auch manches Negative in der Folgezeit verbreitet und die Gottlosigkeit erhebt zusammen mit dem Islam heute viel heftiger ihre Stimme, als noch vor 21 Jahren. Dennoch wollen wir nicht vergessen, was der HERR Europa und der ganzen Welt Gutes getan hat mit der deutschen Einheit! Natürlich, wir  übersehen auch nicht, daß 56 Jahre staatlich verordneter Atheismus zweier Diktaturen bei den Menschen in Ostdeutschland tiefe Spuren hinterlassen haben. Doch das kann uns nur Ansporn sein, ihnen umso mehr den Herrn Jesus zu bezeugen. - 1988 sprach ich  mit einem jungen Mann, dem man erlaubt hatte, seine Verwandten in Westdeutschland zu besuchen. Ich war damals noch Ev. Pfarrer in Ostdeutschland. Nach seinem Besuch kam der junge Mann ziemlich zerknirscht zurück in die DDR. Er hatte die guten westlichen Verhältnisse erlebt und wäre am liebsten da geblieben. Doch alle, die er liebte, hätte er zurücklassen müssen. Ich tröstete ihn damit, daß ich ihm sagte, es könnten doch nicht alle guten Leute weggehen und den Osten allein den kommunistischen Spitzbuben überlassen. Doch plötzlich hörte ich mich sagen: „Christian, bleibe hier und gehe nicht in den Westen, denn der Westen wird zu uns kommen!“ Sofort wollte ich diesen Satz zurücknehmen, weil nichts in der Politik darauf hindeutete und ich mir so etwas auch nicht vorstellen konnte. Aber augenblicklich redete Gott zu meinem Inneren und sagte: „Sei stille und nimm nichts von diesen Worten zurück!“ Ich hatte noch niemals ein prophetisches Wort empfangen und wüßte auch nicht, wie sich das erfüllen könnte. Also schwieg ich gehorsam und ließ dieses absonderliche Wort stehen. 18 Monate später fiel die Mauer und es kam, was Gott mir damals in den Mund legte. - Manchmal kündigt der Herr eben noch heute Dinge an, die ER tun will, damit Seine Kinder ganz gewiß den Weg des Glaubens gehen können. Inzwischen sind über 21 Jahre vergangen und ich mußte noch einmal so ein Wort sagen, was der Herr mir in den Mund legte und was ich lieber verschwiegen hätte. - Es war vor einem Jahr auf einer Wahlkampfveranstaltung der CDU in unserer Nähe. Der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU Bundestagsfraktion, Volker Kauder, war auf Tour in seinem Wahlkreis. Nach seinem Vortrag durften Fragen gestellt werden. Anfangs gab es nur wirtschaftliche Fragen, zum Schluß aber stellte ich ihm die Frage: „Warum man bei seiner Fraktion kaum noch merkt, daß christliche Parteien an der Regierung sind? Denn Abtreibung, Homosexuellengesetze und allgemeine Demontage biblischer Werte gingen auch mit der CDU/CSU in der Regierung weiter. Darauf gab er eine sehr ehrliche und nachdenkliche Antwort. Er sagte:„Daß ihn dieses alles auch bedrücke, aber er könne schon in seiner eigenen Partei diese christlichen Werte heute nicht mehr durchsetzen. Denn die Mitglieder der CDU/CSU-Bundestagsfraktion seien leider nur ein Spiegelbild dessen, was aus Kirchen und Gemeinden heute kommt.“  Ich bedankte mich für die ehrliche Antwort und hörte mich nun sagen; „daß wir doch vor 20 Jahren erst erlebt haben, wie Gott einen Staat mit einer gottlosen Regierung auflöste, und es nun mit ganz Deutschland nicht anders gehen werde, falls die CDU/CSU weiter eine gottlose Politik vertrete!“ - Ich fürchtete, nach diesem scharfen Satz nun von den 200 Anwesenden mit Tomaten beworfen zu werden. Aber, ich bekam tosenden Beifall und der so Angesprochene sagte kein Wort mehr dazu. - Inzwischen ist er im Bundestag einer der Eifrigsten, wenn es um die Verteidigung christlicher Werte geht.

- Wir wissen, daß der neue Himmel und die neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt (2.Petrus 3,13), erst noch kommen müssen, und daß zuvor noch viel Schweres auf die ganze Menschheit zukommt. Aber hier ist uns eben auch die andere hebräische Übersetzungsvariante des obigen Psalmverses eine Hilfe: „Wir werden sein, wie die Träumenden, wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird!“  Das gilt uns für die gegenwärtigen Nöte unseres Lebens, auch angesichts des Älterwerdens, und sogar für das dunkle Tor des irdischen Todes! Wir haben ja einen Herrn, der all das schon durchschritten hat, für uns als Wegbereiter voranging, um uns eine himmlische Wohnung zu bereiten! Bis zur freudigen Wiedervereinigung mit IHM bleiben uns die Dankbarkeit und die Freude am gnädigen Handeln des Herrn, zusammen mit der ganzen Entschiedenheit, das herrliche Evangelium mutig allen Menschen zu bezeugen! Das beflügelt uns, in der Kraft Seines Geistes vorwärts zu gehen mit Euch, die Ihr Sein Erscheinen liebt, um als Gerettete den Verlorenen noch den Weg zu zeigen!

In Jesus so verbunden grüßen wir Euch als Team von BfdW mit Eurem   P. R. Sorger

Der deutsche gläubige Liederdichter Hoffman von Fallersleben verfaßte 1841 diesen Vers, der zur deutschen Nationalhymne wurde, die auch Christen getrost mitsingen können, weil der Inhalt zutiefst christlich ist:

Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland!

Danach laßt uns alle streben brüderlich mit Herz und Hand!

Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand:

I: Blüh im Glanze diese Glückes, blühe, deutsches Vaterland!  :I

Gott erwecke Deutschland und ganz Europa!