Liebe Missionsfreunde!          

Habt Ihr das auch schon erlebt?  Da hat man gerade eine gute Begegnung mit einem fremden Menschen und denkt, das ist die Gelegenheit, ihn mit einem freundlichen Wort auf Jesus hinzuweisen, doch da nimmt plötzlich die Begegnung eine unerwartete Wendung. Unser Gesprächspartner wehrt freundlich ab mit Worten, wie diesen: „Jesus, ja schön und gut, aber welcher Glauben ist denn nun der richtige, katholisch, evangelisch, methodistisch oder was es alles noch gibt unter Christen? - Nein danke, Ihr Christen seid Euch doch selbst nicht einig über den Glauben.“ - Und dann fährt er noch fort: „Wissen Sie, ich habe meinen eigenen Glauben, da brauche ich keine Kirchenzugehörigkeit.“ - Wer hat solche Worte noch nicht gehört, wenn er missionarisch aktiv ist als Christ! Auch viel Wissen und gute Antworten könnten für den Moment wohl kaum noch zu einem guten Gespräch über Jesus helfen. - Was wollen wir auch darauf antworten? Da kommt einem der Satz des berühmten französischen Sozialphilosophen Loisy von 1904 in den Sinn: „Jesus verkündigte das Reich Gottes, gründete die Gemeinde und es kam die Kirche,“ - mit all ihren Irrungen und Wirrungen der Kirchengeschichte. - Also noch mal: Was einigt Christen und was macht sie zu solchen überhaupt erst? - Die Einheit der Christen in Glaube und Handeln ist schon seit dem sogenannten „Apostelkonzil“ in Jerusalem (Apg.15) eins der wichtigsten Anliegen für den  HERRN und Seine Gemeinde. Heute, im letzten Teil dieser Endzeitgeschichte ist das immer noch so, an dem sich viele ernstlich Gläubige wund reiben. - In der Praxis ist tatsächlich die geistliche Einheit der Christen besonders für die Mission von enormer Bedeutung, sowohl hier in Deutschland und Europa, wie auf dem fernen Missionsfeld. Immer wieder wird uns ja von Nichtgläubigen die faktische Zerrissenheit und die Uneinigkeit von Konfessionen und Gemeinden vorgehalten. Welches ist nun der richtige Glaube, die richtige Kirche oder Gemeinde?  - Wenn wir nicht die klaren Aussagen der Heiligen Schrift zum Thema hätten, so könnten wir wohl an der christlichen Wirklichkeit verzweifeln und alle Missionstätigkeit einstellen. Denn die Vielfalt von Kirchen, Gemeinschaften und Gemeinden, welche sich für die Verkörperung des rechten Glaubens halten, geht allein in Deutschland in die Hunderte. - Nun gibt es viele menschliche Versuche, zu einer gewissen Einheit in Lehre  und Leben, oder gar zur organisatorischen Einheit zu gelangen. Kirchenbünde, Gemeindebünde und andere Zusammenschlüsse versuchen Gemeinsamkeiten herzustellen und gemeinsame Aufgaben wahrzunehmen. Von dem schon über 1675 Jahre andauernden Versuch, alle Christen unter einem römischen Staatskirchentum mit dem Papst an der Spitze zu vereinen, brauchen wir nicht weiter zu sprechen. Auch wenn dieser unter dem derzeitigen Papst zu einer gewissen „neuen Blüte“ gekommen ist. Zu offensichtlich ist die bibelwidrige Staatskirchengeschichte mit ihren bis heute gültigen schweren Irrlehren und Taten, welche auch durch keine Reformation sich wesentlich bessern ließ. Auch wenn der alternde und kranke jetzige Papst sich mit allen seinen Institutionen vorbildlich für das Lebensrecht Ungeborener und gegen die Aufweichung biblischer Sexualethik einsetzt, so bleiben dennoch die wichtigsten reformatorischen Grundforderungen nach wie vor unberücksichtigt. - Allein der Glaube macht selig; allein aus Gnade sind wir gerettet; allein die Hl. Schrift ist Quelle göttlicher Offenbarung; allein Christus rettet uns! - Diese vier „Schlachtrufe der Reformation“ von 1517 werden in der römischen Kirche heute immer noch durch anderes ersetzt. Doch wie sieht es in der Evangelischen Christenheit aus? Von ökumenisch gesonnenen Kirchen- und Gemeindefunktionären wird oft ganz bewußt übersehen, wie wenig die Reformation in Rom bewirkte und die Einheit derer, die sich Christen nennen, wird trotzdem mit allen Mitteln unter Ignorierung wesentlichster biblischer Kriterien behauptet. Das aber kann nicht zu einer Einheit in Jesus führen, allenfalls zu einem unbiblischen „Einheitskirchenbrei“, bei dem jeder nach Belieben seine Bibel oder andere religiöse Quellen benutzt. Auch die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen und Gemeinschaften haben meist nicht mehr nur die Bibel als „ihre einzigste Richtschnur im Glauben und Leben.“ Traditionen und liebgewordene Lehrmeinungen haben vielfach den biblischen Glauben überwuchert oder konkurrieren hart mit ihm. Auf der Suche nach Einheit ist man mehr und mehr zu der scheinbar unausweichlichen Erkenntnis gelangt, daß es hilfreich ist, die Unterschiede der Konfessionen beiseite zu tun und sich nur noch auf Gemeinsames zu konzentrieren. Das hört sich zunächst gut an, führt aber letztlich nicht weiter, wenn man die Bibel beiseite setzt, oder erst gar nicht befragt. Die sich zwangsläufig ergebenden Konflikte werden so „unter der Decke“ vermeintlicher Toleranz gehalten. Wirkliche Einheit kann es aber nur durch Jesus und Sein klares Wort geben. In Johannes Kapitel 17 weist der HERR deshalb selbst deutlich darauf hin. ER zählt da auf, was die Einheit Seiner Jünger ausmacht:

„Das aber ist das Ewige Leben, daß sie Dich, der Du allein wahrer Gott bist, und den Du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“(V.3) - Für die wahren Jünger Jesu geht es also um das Ewige Leben beim HERRN und nicht etwa um Fragen der Religion, der Lehre, der Ethik, der Einheit von Christen, oder gar bloß um eine „Weltbetrachtung mit christlich tradiertem Hintergrund!“  Dieses offenbart Jesus einem jedem wahren Christen in Seinem Wort. -  An der Stelle scheiden sich dann auch schon alle religiös und philosophisch geprägten „Namenschristen“ von den wahren Kindern Gottes. Jede „multireligiöse geistliche Koexistenz“ muß an diesem Wort zerbrechen. Die Erkenntnis des Werkes Jesu allein führt ins Ewige Leben bei Gott, dem Vater! - Wer hier mehre „religiöse Wahrheiten“ gelten läßt, erweist sich nach Jesu deutlichen Worten als Lügner, oder als ein bloßer „Religionsmakler“. - Ein gemeinsames Gebet aller Religionen, wie in Assisi 2002 durch den Papst praktiziert, ist beispielsweise in diesem Licht eine gewaltige synkretistische Verführung! - Den Absolutheitsanspruch Gottes in der Person Jesu müssen wir Christen ganz ernstnehmen, und auch bereit sein, deswegen Unverständnis, Haß und sogar Verfolgung auf uns zu nehmen. Gottes Wahrheit ist nicht pluralistisch, sie richtet sich auch nicht nach „europäischen Mehrheitsverhältnissen“. Vielmehr hat sie einen Namen: Jesus, in dem Gott sich allein der Menschheit offenbarte!!! Wenn Menschen, die sich Christen nennen, das nicht mehr bejahen, dann ist unter uns die „Falschmünzerei“ ausgebrochen! Also müssen wir festhalten:   Jesus ist allein der Weg und die Wahrheit und das Leben und niemand wird zu Gott kommen, als nur durch IHN (Joh.14,6)!  - Es bleibt uns nur der bibeltreue Glauben, „wie die Schrift sagt“ (Joh.7,38), oder ein grenzenloser Irrglaube auf dem religiösen „Markt der Möglichkeiten.“ - Das Wort behalten(V.6), es annehmen und glauben, daß der Vater Jesus sandte(V.8), den Haß der Welt um Jesu willen aushalten und dabei vom Vater erhalten werden - vor dem Bösen bewart bleiben, das alles verheißt Jesus als Kennzeichen rechter Jüngerexistenz!! - Warum kann man als Ungläubiger heute oft kaum noch die Gemeinde Jesu von einem beliebigen weltlichen Verein unterscheiden? - Weil man mit ganzer Entschiedenheit sich heute der Welt anzupassen versucht, anstatt das Leben dem Wort Gottes anzugleichen. Deshalb ist die vollkommene Freude aus Vers 13 von solchem Christentum gewichen und man muß sie durch „Events“, große Zusammenkünfte, Feste, Kirchentage und Satelitenevangelisationen ersetzen. Flohmarkt, Tanz, Zirkus, Spaßmacher und „Zauberer“ in der Gemeinde und Kirche müssen dann „die Freude im Heiligen Geist“(Röm.14,17) ersetzen. Und trotz all dieser sogenannten „Events“(zu Deutsch „Ereignisse“) breitet sich immer mehr die lange Weile aus. In Vers 14 beschreibt Jesus Seine wahren Jünger; sie haben Sein Wort, halten sich daran fest und wehren sich damit gegen alle Vorwürfe Verdächtigungen und weltliche Einflußnahmen auf ihren Glauben. Sie heiligen und reinigen sich in dem wahrhaftenen „Wasserbad des Wortes Gottes“ (Eph.5,26) und wollen nichts anderes für ihr Leben und ihre Lehre gelten lassen. Sie haben die Wahrheit in Jesus gefunden und lassen nun keine „Wahrheiten“ daneben noch für sich gelten. Durch ihr Wort kommen andere Menschen zum Glauben an den einen Herrn Jesus. Das heißt; sie sagen das Evangelium weiter, so gut sie es können. - Alles das wirkt der HERR an den wahren Jüngern Jesu nach Seinem Gebet in Joh.17 und baut sich so Seine wahre weltweite „Brautgemeinde“ (Offb.22,17), die auf IHN wartet; inmitten der so unterschiedlichen „Körperschaften“ menschlicher Gemeinschaft, die sich Kirchen und Gemeinden nennen. - Ihr Kennzeichen ist und bleibt die Liebe zum Wort Gottes, die Bereitschaft, ihr Leben und Denken ganz an diesem zu orientieren und von ganzem Herzen die Geschwister zu lieben, sowie der gottfernen Welt in Wort und Tat, Jesus als Heiland zu bezeugen. - Sie erkennen einander, eben an diesen Kennzeichen und wissen, daß alle Organisationen nur „provisorische Behausungen“ auf dieser Erde sind. Dieses schafft jetzt schon ein Stück Einheit, die jener Einigkeit entspricht, von der Jesus im Vers 21 im Blick auf sich und den Vater redet. Menschen, die so aus dem Wort und dem Hl. Geist wiedergeboren sind, können sich als Brüder und Schwestern im Herrn in diesem Bestreben erkennen, finden zueinander und verstehen, die Gemeinde Jesu zu erbauen, ganz gleich, mit welchem theologischen, persönlichen oder sonstigen Hintergrund sie ursprünglich aufgewachsen sind - damit die Welt glaubt, daß Gott Jesus als alleinigen Retter gesandt hat!  -  Das hat freilich nichts mit blindem Ökumenismus zu tun, bei dem alle theologischen Unvereinbarkeiten ohne die biblische Wahrheit zugunsten einer imaginären Einheitsidee „weggebügelt“ werden!!! - Echte Einheit schafft Jesus durch Sein Wort mit dem Heiligen Geist, der selbst die Einheit in den Bibelgläubigen wirkt! - Wie beglückend das ist, hat mancher unter uns schon oft erlebt. - Da trifft man irgendwo einen Menschen, kommt mit ihm ins Gespräch und merkt nach kurzer Zeit, daß der dieselbe Liebe zu Jesus, seinen Mitmenschen, seinen Glaubensgeschwistern, zum Wort Gottes und dem himmlischen HERRN hat, wie man selbst. Und dann erfährt man, daß trotz ganz unterschiedlicher Biographien, der andere Mensch zu denselben Erkenntnissen gelangt ist; einfach weil er dem Herrn und Seinem Wort vertraut und gehorcht. Dem Vater im Himmel gehören solche Menschen, weil Jesus in ihnen verherrlicht ist, sagt Jesus hier. Sie strahlen mehr und mehr die Liebe zu ihrem Herrn und zu ihren Mitmenschen aus. Darum bezeichnet Paulus die Gläubigen oftmals als „Heilige“, - nun eben nicht im röm.-kath. Sinn, sondern im biblischen; wonach die Gläubigen dem heiligen GOTT gehören und durch das Blut Jesu (durch Seinen Opfertod) geheiligt, das heiß, von Gott als  Eigentum beschlagnahmt sind (Hebr.10,10ff).  Hier wird auch klar, wie liebe- und rücksichtsvoll wir miteinander umgehen, und wie sehr wir uns vor einem „Richtgeist“ hüten müssen, wenn es darum geht, mit den noch vorhandenen Mängeln des Anderen umzugehen! Anstatt über andere Gläubige herzufallen, sollten wir besser freundlich mit ihnen reden und um Licht und Wahrheit füreinander beten! –

Eine ganz und gar vollkommene Einheit wird der Herr schaffen, wenn ER in Herrlichkeit wieder kommt. Bis dahin bleibt uns die Einheit „durch das Band des Friedens“, der Liebe und des Wetteifers in der Übereinstimmung mit dem Wort Gottes (Kol.3,13ff). An dieser Bruderschaft wollen wir festhalten und in der Wahrheit des Wortes Gottes; aber auch ohne jeden faulen Kompromiß! Die Gemeinde, in der man solche Geschwisterlichkeit leben kann, muß wohl jeder Gläubige unter Gebet selbst finden. Da können wir keine pauschalen Empfehlungen geben. Die Grenzen, wo Gemeinde Jesu anfängt und wo sie aufhört, setzt die Heilige Schrift selbst. - Martin Luther wollte höchst persönlich den biblischen Begriff „der Gemeinde“ nicht automatisch auf „die Kirche“ übertragen, sondern verstand ihn als die weltweite Versammlung der Gläubigen, die allerdings auch eine „örtliche Sektion“ haben sollte. Schon, wo zwei oder drei Gläubige sich versammeln, beginnt Gemeinde Jesu. - Wir wollen uns aber auf dem Wege der Nachfolge Jesu nicht zanken und zerstreiten, sonder einander in Liebe, zur Nachfolge gemäß dem heilsamen Wort anreizen, wie es Paulus ausdrücklich auch in Phil. 3,16 sagt: “Nur laßt uns, wozu wir auch gelangt sein mögen, nach derselben Richtschnur wandeln und dasselbe erstreben.“ Diese Reformation der Gemeinde an Herzen, Haupt und Gliedern gemäß Jesu Gebet aus Joh.17 brauchen wir; und das wird Einheit im HERRN schaffen, die mit keinen Programmen und Konzepten je erreicht werden kann!! „Ein weites Herz für alle und alles“, mit einer gemachten Einheit durch „Einheitsübersetzung“, ökumenischen Treffen und Kirchentagen wird nichts bewirken, was vor dem HERRN einmal Bestand hat! ER will die Einheit durch Sein Wort und Seinen Geist schaffen auf der Basis von Joh.17 und nicht anders!  Dieses möge ER auch mit uns tun, liebe Geschwister, damit die Welt glaube, daß der Vater den Sohn gesandt hat!  Deshalb empfehlen wir dringend, die Bibel im Glauben zu lesen und so das Wort weiterzugeben. Denn das allein führt im Heiligen Geist zum Konsens in Leben und Lehre der Gläubigen, und läßt Jesus so wirklich  bei uns HERR sein!!! - Wir sortieren ja oft so gern nach „gläubig und ungläubig“, und meinen dabei noch, nur „in unserem Stall“ seien die Gläubigen. - Jesus aber sagt ausdrücklich in Johannes 10,16: „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch diese muß ich führen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirt werden.“ - ER selbst wird also zu Seiner Zeit zusammenführen! - Auf Seinem Wege segne der HERR Euch und uns recht nach Seinem Wort! - Es grüßen Euch die Geschwister von BfdW und    Euer P. R. Sorger.         

                                                                   

O wie lieb ich HERR, die Deinen,

die Dich suchen, die Dich meinen,

o wie köstlich sind sie mir!

Du weißt, wie mich’s oft erquicket,

wenn ich Seelen hab erblicket,

die sich ganz ergeben Dir.

Ich umfasse, die Dir dienen;

ich vereinge mich mit ihnen,

und vor Deinem Angesicht

wünsch ich Zion tausend Segen;

stärke sie in Deinen Wegen,

leite sie in Deinem Licht.

Bis wir einst mit allen Frommen

dort bei Dir zusammenkommen

und, von allen Flecken rein,

da vor Deinem Throne stehen,

uns in Dir, Dich in uns sehen,

ewig eins in Dir zu sein.

Gerhard Tersteegen 1731