„Betet, daß ihr würdig werden möget….“(Lukas 21,36)

Ihr lieben Missionsfreunde!

Nicht wahr, beten liegt uns von Natur aus eigentlich gar nicht, auch wenn wir Christen sind. Das aktive Tun ist mehr unsere Sache, als das stille hingegebene Warten und Hören auf den Herrn im Gebet. - Doch derselbe Jesus, der die obigen Worte Seinen Nachfolgern sagte, verbrachte selbst täglich viel Zeit im Gespräch mit Gott, und alle Seine wunderbaren Taten entsprangen eben aus der Verbindung mit IHM. Jemand sagte einmal sehr treffend: „Gebet ist ein Dialog zwischen zwei einander liebenden Personen - GOTT und dem Menschen.“ - Beten ist aber auch „das Ausbreiten unserer Hilflosigkeit“ im Namen Jesu vor dem Vater, der ja weiß, versteht, sorgt und uns darin durch den Heiligen Geist zu Hilfe kommt. Beten ist, das Reden mit Gott und das Hören auf Seine heilige Antwort, die Er für uns bereit hat. Wenn wir die einfachen Bedingungen des Gebets erfüllen, die in Gottes Wort niedergelegt sind, dann erhalten wir Barmherzigkeit und Gnade. Und diese kommen vom Thron der Gnade, auf dem der eine sitzt, der uns liebt über den Tod hinaus und der mehr kann, als verzweifelte Rufe und Sehnsüchte unserer Herzen zu stillen, Jesus Christus: „Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte Mitleid haben mit unseren Schwachheiten, sondern der versucht ist in allen Dingen gleichwie wir, doch ohne Sünde. Darum lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur Zeit, wenn uns Hilfe nötig sein wird.“(Hebr.4,15ff)  - Wenn wir einmal ganz ehrlich vor uns sind, so erkennen wir, unsere Gebetslosigkeit ist die geheime Ursache der Schwierigkeiten und Fehlschläge im Glaubensleben. Man muß nur das Gebetsleben von Saul, David, Salomon und anderer studieren, um zu erkennen, daß dies wahr ist. - Darum wollen wir fragen: Betete Abraham, ehe er zu Hagar ging, - oder ehe er von Kanaan nach Ägypten zog?  Betete Paulus, bevor er und Barnabas sich wegen Johannes Markus zerstritten (Apg.15,36-41)? - Nein, Gebetslosigkeit war und ist zu allen Zeiten die Voraussetzung für große und kleine Katastrophen. - Jakob bekannte dazu: „Des Tages verschmachtete ich vor Hitze und des Nachts vor Frost und es kam kein Schlaf in meine Augen“(1.Mo.31,40). Bei ihm mußten erst 20 Jahre vergehen, ehe er ein ernstes Wort des Gebetes äußerte! - Erst am Jabbok (der Stelle seiner Niederlage) erfuhr er das Geheimnis, bei Gott gehört zu werden. Denn hier war er aller seiner natürlichen Kraft beraubt, daß er nichts anderes mehr tun konnte, als sein ganzes Leben Gott im Glauben auszuliefern. - Auch die große Tragödie in Davids Leben begann, als er ohne Gebet auf das Dach seines Hauses ging und Bathseba beobachtete. Die neutestamentliche Gemeinde hingegen hielt das Gebet hoch und erlebte so Wunder und Zeichen in ihrer äußerst fruchtbaren Missionsarbeit: „Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es taugt nicht, daß wir das Wort Gottes unterlassen und zu Tische dienen. Wir aber wollen anhalten am Gebet und am Amt des Wortes“(Apg.6,2) - Zwei Pfarrer wurden einmal gefragt, was ihr tiefstes Bedauern wäre, wenn Jesus heute wiederkommen würde? Und beide antworteten; „daß Sie nicht mehr Zeit im Gebet mit Jesus verbracht hätten.“ - Auch wir Christen heute sind angehalten zu beten; aber wie viele tun es wirklich? „Haltet an im Gebet mit Danksagung…“ (Kol.4,2f) mahnt Paulus schon die Kolosser Christen. - „Der Reiche Mann" fing zu spät, erst nach Ankunft im Totenreich, zu beten an (Luk. 16, 23)!  Er bat um Erleichterung seiner Qual, doch sie wurde ihm nicht mehr gewährt. Er betete in seiner Verzweiflung zu Abraham, denn Gott konnte er nicht mehr finden. Er wagte nicht mehr für sich um Erlösung zu bitten, denn er wußte, daß es dafür nun zu spät war. – Ohne inniges Gebet auf Erden, ist man auch ohne Antwort in der Hölle! „Deshalb werden alle Heiligen zu Dir beten zur Zeit der Angst. Darum, wenn große Wasserfluten kommen, werden sie nicht an sie gelangen.“(Ps.32,6)  Jesus spricht in der obigen Lukasstelle von den kommenden Zeiten der Not, weil ER wohl weiß, wie es vor Seinem Kommen auf Erden aussehen wird und weil Er voraussieht, daß die Seinen dann nur mit anhaltendem Gebet im Glauben bleiben werden. Wer nicht im Gebet sich zu Jesus flüchtet, der wird auch nicht jener großen Not antichristlichen Endzeit entfliehen können!  Wir sehen ja heute schon, wie hoffnungslos und verzagt die Menschen ohne Jesus in Westeuropa angesichts von Terrorismus und Globalisierung sind. - Die Apostel wollten über den alltäglichen Anforderungen vor allem das Wort Gottes und das Gebet nicht versäumen, wie wir eben lasen. Und das ist für alle Gotteskinder auch heute die wichtigste Ermahnung. Denn der Teufel versuch alles, uns davon abzubringen und uns in kopflose Geschäftigkeit zu verstricken!  Die größten Glaubenstaten wurden zu allen Zeiten nämlich immer aus diesen beiden Kraftquellen hervorgebracht! Das dürfen wir nie vergessen! - Georg Müller, ein Mann Gottes, entdeckte, daß es weit besser ist, den Tag mit dem Lesen des Wortes Gottes zu beginnen als mit irgendwelchen Gebetsversuchen. - Zwei Dinge werden im Zylinder eines Otto-Motors benötigt, um eine Explosion und die daraus entstehende Kraft zu erzeugen. Das erste ist das Kraftstoff-Luft-Gemisch und das zweite der Funke. - „Der Funke“ von Gottes Heiligem Geist mag am frühen Morgen in unseren Herzen gegenwärtig sein, aber wir müssen unsere Herzen mit „dem Kraftstoff“ des Wortes Gottes füllen, damit Kraft in unserem Gebet ist!  Das demütige hörende Lesen des Wortes Gottes, die tägliche Betrachtung Seines Wortes, erzeugt Glauben (Römer 10, 17), Kraft und den Wunsch zu beten!  Wir erfahren von Neuem von Seiner Liebe, wir betrachten Seine große Gnade, unsere Herzen sind erfüllt von Seinen Wegen. Wort und Geist beleben den Menschen; deshalb „Bibel für die Welt“!  - Es ist wahr: „Der Geist ist es, der lebendig macht, bloß das Fleisch ist nichts nütze. Meine Worte,…...sind Geist und Leben“(Joh.6,63) - Darum laßt uns immer auch das Lesen des Wortes mit einem Gebet beginnen; etwa so: „Herr, öffne mir Augen (Ohren und Herz), daß ich sehe die Wunder an Deinem Gesetz“ (Psalm 119, 18).  Laßt uns Gottes Wort auch planmäßig lesen, Tag für Tag, denn die Bibel verkündigt Christus, auch da, wo sie noch nicht ausdrücklich von Ihm spricht. Als gerettete Gotteskinder wollen wir doch unseren Erlöser immer besser kennen lernen, daß wir bei Seinem Kommen Ihn schon kennen und ER uns als die Seinen wiedererkennt! Wenn uns Gottes Wort reich gespeist hat, dann können wir unser Gebet unter folgenden Gesichtspunkten vorbringen:

1. Wir verehren den dreieinigen Gott: Vater, Sohn und Heiligen Geist für das, was Er ist. Wenn wir das Wort gelesen haben, dauert es nicht lange, bis wir die Erfahrung eines Jesaja machen und die Erhabenheit und Herrlichkeit unseres Gottes vor unserem inneren Auge haben. Denn jeder Vers läßt in unseren Herzen die Gnade und den Ruhm des allmächtigen Gottes aufleuchten. Wir verehren Gott für das, was Er ist: Heilig und erhaben ist  Er. In solchen Zeiten kommen die Worte vieler Psalmen mit anderen Bibelworten über unsere Lippen und wir rufen aus: „Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, alle Lande sind Seiner Ehre voll!“ (Jes. 6,3)  Und - „O welch’ eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind Seine Gerichte und  unerforschlich Seine Wege!" (Röm. 11,33)

2. Wir danken Ihm für das, was Er getan hat

Wir können nur dankend niederknien und Gott sagen, daß wir Ihn lieben und Ihn preisen und Ihm für alles dankbar sind, was Er uns tat! Er verdient es, daß wir IHM Lob, Preis und Anbetung bringen, zu jeder Zeit! „Danken schützt vor Wanken, Loben zieht nach Oben" sagt eine alte Erfahrung. Der Herr erwartet unsere Dankbarkeit, wie das Eltern von ihren Kindern auch tun. - „Jesus aber antwortete und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte und Gott die Ehre gibt, als dieser Fremdling?“(Luk.1,17-18) 

- Ein China-Missionar, der gemerkt hatte; daß der Himmel seinen Gebeten verschlossen war, sah eines Tages einen Wandspruch: "Lobpreis ändert Dinge". - Er nahm „diesen Schlüssel“ und „öffnete damit den Himmel.“ - Wir mögen fragen, warum David trotz seiner Sünden „als ein Mann so recht nach dem Herzen Gottes“ bezeichnet wird? - Unter anderem wohl deshalb, weil er mit ganzem Herzen bereute und Gott mit ganzem Herzen lobte und pries! Lobpreis ist allein in den Psalmen mehr als 200 mal erwähnt.

3. Wir dürfen zu Gott als Seine Kinder kommen

Über der Heiligkeit Gottes dürfen wir dennoch nicht vergessen, daß dieser allmächtige Gott, von dem es heißt: „…der da sitzt über dem Kreis der Erde und die darauf wohnen, sind wie Heuschrecken“(Jesaja 40,22), daß der auch unser wahrer himmlischer Vater ist. - Paulus sagt uns: „Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch abermals fürchten müßtet, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater"(Röm. 8,15). Die meisten Bibelübersetzungen wagen es kaum, das Wort "Abba" richtig zu übersetzen, weil es in Wirklichkeit tatsächlich das kindliche "Papa" bedeutet. So dürfen wir auch wie kleine Kinder als Christen mit einem schlichten Glauben zu unserem wahren Vater kommen, denn unser Herr sagt: „Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen!“ Nun kann es sein, daß unser kindlicher Gebetszugang durch Sünden verdunkelt wird und wir deshalb keinen kindlichen Gebetsfreimut mehr finden. Die Gebote in 2.Mo.20 und 5.Mo.5 neben dem Liebesgebot Jesu (Lukas 10,27) sind uns da zur Gewissenserforschung sehr hilfreich. Aber auch hier kommt uns Gottes Geist zu Hilfe, denn Er wird durch Sünden betrübt in uns (Eph.4,30). Und das spüren wir. David betete deshalb schon in Psalm 139 Verse 23f: „Erforsche mich, o Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine; und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege!“  - Wenn unser Leben so bereinigt ist, dann können wir anfangen für die nötigen kleinen und großen Anliegen erhörlich zu beten! - Zwar gilt immer noch, was Bonhöffer einmal sagte: „Nicht alle unsere Wünsche, aber alle Seine Verheißungen erfüllt Gott.“ - Wenn wir aber die Angelegenheiten Gottes und die Nöte anderer vor Gott ausgebreitet haben, dann können wir auch unsere eigenen Nöte vor IHN bringen. - Gott freut sich über unser Bitten. Gott freut sich, daß Seine Kinder Ihn bitten, obwohl Er schon weiß, was wir brauchen, bevor wir Ihn darum bitten. Unsere Bitten können so umfassend sein wie Gottes Verheißungen, so tief wie Gottes Schätze!!! - Manche Menschen mögen versuchen, „Zäune“ um Gottes Verheißungen zu bauen und erklären, „daß dies und das nicht so, sondern ganz anders zu verstehen sei.“ Wir aber vertrauen auf Jesus, wie die Schrift es sagt (Lies Joh.7,38f) und nicht auf moderne Schriftgelehrte, die Gottes Wort einschränken oder gar fälschen und Ehre von Menschen nehmen (Joh.5,44). - Freut euch, wenn eure Nöte groß sind, wenn sie unglaublich und unmöglich erscheinen! Gott wird dafür sorgen, „daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr's ertragen könnt“(1.Kor.10,13)! - Die wahren Versuche, die Gott mit uns durchführt, sind die, unsere Herzen zu erweitern, so daß Er uns noch mehr segnen kann. Können unsere Nöte größer sein, als jene der armen Witwe in 2.Könige 4,1-7? - Hier wurde die Witwe angewiesen, nicht nur ihre eigenen leeren Gefäße (das waren ihre Nöte) vor den Herrn zu bringen, sondern möglichst viele andere leere noch zu entleihen! Alle Gefäße wurden mit Öl und Mehl gefüllt und es war nicht das Öl und Mehl, das ausging, sondern die Gefäße - die Nöte! - Wir können beten und in der gleichen Stunde empfangen. Wenn wir wissen wollen, mit welch’ großer Mannigfaltigkeit wir empfangen können, dann sollten wir die Verheißungen im Neuen Testament auch aufspüren! - Nutzen wir die Antworten, die andere Gläubige von Gott erhalten haben für uns selbst und unsere Mitmenschen! Gott hat eine Antwort für die unerwiderte Liebe, den unterdrückten Wunsch, die unveränderte Lage, die ungebrochene Gewohnheit. ER will uns das geben, worum wir im Glauben bitten, oft noch etwas Besseres und viel mehr! „Und was ihr bitten werdet in Meinem Namen, das will Ich euch tun….(Joh.14,13). „Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab von dem Vater des Lichts……..…“ (Jak.1,17). Natürlich wird ein verständiger Christ keinen egoistischen Unsinn erbitten wollen, sondern nach dem Willen Gottes wird er beten. - Manches Gebet erhört der Herr deshalb nicht, weil es nur dem eigenen „Ich“ dienen soll. Deshalb sollten wir uns über die Gebetsmotive immer klar sein. „Ihr streitet und krieget, ihr habt nicht, darum daß ihr nicht bittet..…." (Jak.4,2f). - Der Himmel ist überfüllt mit Gebetsantworten, um die wir nicht recht gebeten haben. Von Jabez (dessen Name „Sorge“ bedeutet) lesen wir 1.Chr. 4,9:„Und Jabez rief den Gott Israels an und sprach: Ach, daß du mich segnetest und mein Gebiet mehrtest und Deine Hand mit mir wäre! Und Gott ließ kommen, was er bat.“ - Ist das nicht wunderbar?!  - Laßt auch uns so zu Gott beten für all die großen und kleinen Anliegen des Reiches Gottes; dabei wird gewiß keiner von uns zu kurz kommen! - Der Herr steht zu Seinem Wort!  Euer Pastor R. Sorger