Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt. 2.Timotheus 3,16f

- Das Jahr 2003 war von einem menschlichen Gremium zum „Jahr der Bibel“ erhoben worden. Und obgleich wir von solchen „Erhebungen“ gar nichts halten und sagen müssen, daß jedes Jahr ein Jahr der Bibel ist, so wollen wir dennoch darauf eingehen, denn die Bibel ist die wunderbare Grundlage unseres Glaubens und des Heils für alle Menschen in Jesus Christus. - In ihr haben wir die Offenbarung des göttlichen Willens für den Einzelnen und für die ganze Menschheit. Außerdem haben wir in ihr das geschichtliche Zeugnis vom wunderbaren Handeln Gottes an dieser Welt und der ganzen Menschheit. Interessant ist  aber, daß selbst das gottlose Wochenmagazin „der Spiegel“ in Hamburg die Bibel kürzlich „als unschlagbaren Bestseller“ bezeichnete, und daß der kommunistische Bert Brecht frei bekannte, daß die Bibel für ihn das wichtigste deutsche Buch sei. - Auch wird sie von Literaten oft als „Weltkulturerbe Nr.1“ angesehen.   - Aber das alles interessiert uns hier eigentlich nicht, zeigt aber, daß die Bibel sogar von ihren erklärten Feinden anerkannt wird und sogar Respekt erfährt! - Natürlich ist von der Welt und der Wissenschaft nicht viel Substantielles zu erwarten. Machen jene doch mit jedem Gegenstand ihrer Betrachtung sowieso nur, was sie wollen. Sie nehmen die Bibel unter die Lupe ihrer oft buchstäblich blinden pseudowissenschaftlichen Erkenntnisse und vorgeprägten Meinung, um meist mehr Fragen aufzuwerfen, als sie sicher beantworten können. Dennoch ist unsere Bibel ein grandioses Wunderwerk, welches sich gläubigen und ehrlich forschenden Wissenschaftlern keineswegs verschließt!  -  Denken wir nur an die zahlreichen Forschungsergebnisse der Archäologie, sowie der bibeltreuen „Schöpfungsforschung“, die mit den Aussagen der Bibel völlig konform gehen. Durch ihre Erkenntnisse ist z.B. der biblische Schöpfungsglauben heute wissenschaftlich besser mit Fakten belegbar geworden, als die so genannte „Evolutionstheorie“. Letztere steht eigentlich wissenschaftlich gesehen heute auf so verlorenem Posten, wie einst im Mittelalter, die Vertreter des geozentrischen Weltbildes. Nur ihre lautstarke Propaganda in allen öffentlichen und privaten Medien läßt heute noch den Großteil der Menschen bei uns in der  westlichen Welt „im Netz“ ihrer pseudowissenschaftlichen Argumente hängen bleiben. Selbst führende Evolutionisten geben heute zu, daß die nachweisbaren Fakten eigentlich nicht für eine Evolutionstheorie sprechen, sondern für einen intelligenten Schöpfer. Da aber bei Ablehnung dieser Theorie, nur noch der Glaube an einen Schöpfer zwingend nötig wäre, bleibt man lieber bei dieser Theorie - „einer selbstschöpferischen Materie“. - Wer Näheres über dieses ganze Thema wissen möchte, kann sich bei der Studiengemeinschaft “Wort und Wissen“( wort-und-wissen.de ), dem Artikel auf unserer Fragen-Seite oder bei christlichen Verlagen kundig machen. - Unsere Bibel ist Gottes klare Offenbarung für diese Menschheit in jeder Hinsicht! - Sie ist kein „Sammelsurium“ von frommen Gedanken und Meinungen antiker Menschen, wie uns eine so genannte „Historisch Kritische Bibelforschung“ seit über 100 Jahren weismachen will! - Sie ist und bleibt das vom Heiligen Geist über Jahrtausende hinweg zuverlässig inspirierte Wort Gottes an die Menschheit, welches zwar von vielen verschiedenen Personen in vielen Jahrhunderten zu Papier gebracht wurde, aber dennoch wirklich nur einen Autor und Redaktor hat, nämlich Gott selbst, der durch Seinen Heiligen Geist die Schreiber inspirierte! Fragen oder Widerspruche, die sich uns gelegentlich beim Lesen der Bibel auftun können, können oft später geklärt werden, wenn unsere Erkenntnis erweitert wurde.

Die ältesten Teile der Bibel sind wohl noch zu Lebzeiten Adams in Tontafeln aufgezeichnet worden und von den Erzvätern weiter überliefert worden, bis Mose und Josua sie unter göttlicher Autorität redaktionell bearbeiteten und in die heutige Form der fünf Bücher Mose brachten. Israel hat dann über Jahrhunderte diese Schriften zuverlässig und wortgetreu weiter schriftlich überliefert und sie um die poetischen Bücher, wie Psalmen, Sprüche etc., Geschichtsbücher samt den Prophetenbüchern ergänzt. - Die Bücher des Neuen Testaments sind dann unter Inspiration des Heiligen Geistes und aus der Erfahrung mit dem Herrn Jesus und Seiner Gemeinde im ersten Jahrhundert nach Christus noch durch die Apostel hinzugekommen. Was wir heute als Bibel vorliegen haben, ist also Gottes wunderbares Werk und Testament für Seine Menschheit - in hebräischer Sprache die Urschrift des Alten Testaments, und in griechischer Sprache das Neue Testament. - Es versteht sich von selbst, da die Bibel mühsam per Hand jeweils abgeschrieben werden mußte, daß somit nur ein kleiner Teil der Menschheit diese lesen oder gar besitzen konnte. Zudem war auch der größte Teil der Menschheit nicht des Lesens kundig. So kam es, daß allein der schriftkundige Klerus und wenige Gebildete Zugang zur Bibel hatten, was zu allgemeiner Unwissenheit und zu falschen Glaubenslehren in der Christenheit führte. Außerdem mißbrauchten, unterdrückten und verschwiegen die Mächtigen der Welt und in der Kirche nach eigenen Interessenlagen wesentliche Aussagen der Bibel, um die Religion als Instrument ihrer Machterhaltung zu gebrauchen.  - Martin Luther sprach später in einer Flugschrift von der „babylonischen Gefangenschaft der Kirche und der Heiligen Schrift.“

Hierbei müssen wir nun an Gottes wunderbares Führen vor über 550 Jahren erinnern, wo zunächst die ganze lateinische Bibel 1452 durch das eben von Johannes Gutenberg in Mainz erfundene Druckverfahren mit beweglichen Bleilettern gedruckt werden konnte. Mit der zuerst nur lateinisch gedruckten Bibel und der folgenden deutschen Bibelübersetzung, sowie deren rasche Verbreitung durch die junge Buchdruckerkunst, begann der Siegeszug der Bibel und gleichzeitig eine gewaltige Erweckung im deutschsprachigen Raum und sogar in ganz Europa. Vor Luthers Bibelausgabe kamen zwar seit 1466 ca. 18 verschiedene deutsche Ausgaben auf den Markt, aber keine war sprachlich griffig und gut lesbar ohne die Kenntnis der lateinischen Grammatik. Heute wissen wir, daß erst Luthers grandiose deutsche Übersetzung und ihre rasche Verbreitung die Reformation auslöste. - Bis heute hinterläßt diese ihre segensreichen Spuren, indem Menschen immer wieder von Neuem durch die Lektüre der Bibelworte ergriffen werden und zum lebendigen Glauben an Jesus kommen. Mit Hochachtung und Ehrfurcht übersetzte Martin Luther 1521/22 während seiner erzwungenen Verbannung auf der Wartburg in nur 11 Wochen das Neue Testament aus dem Griechischen in ein verständliches einfaches und populäres Deutsch, das sich nicht bloß an der wortgenauen Übertragungstechnik der Sprachgelehrten, sondern am Sinn der Worte und Sätze und an der volkstümlichen Verständlichkeit orientierte. Schon Ende September 1522 brachte Luther in einer Auflage von 3000 Exemplaren das Neue Testament zum Preis von nur einem Gulden mit  Illustrationen aus der Werkstatt von Lucas Cranach im Druck von Melchior Lotter in Wittenberg heraus. Ein Gulden war etwa der doppelte Monatslohn eines Schulmeisters damals. Von da an verbreitete sich seine Übersetzung in zahlreichen von ihm autorisierten und nichtautorisierten Nachdrucken in Windeseile im gesamten deutschsprachigen Raum.   Zwölf Jahre später (1534) konnte Luther in der Drucklegung von Hans Lufft in Wittenberg seine erste Vollbibel herausbringen. Und bis zu Luthers Tod 1546 rechnet man heute mit 430 Teil- und Gesamtausgaben seiner Übersetzung, was hochgerechnet etwa 500.000 Exemplare ausmacht. Diese Menge zeigt die Popularität und reformatorische Wirkung der Bibel an. - Oberste Richtschnur Martin Luthers Übersetzungsarbeit aus dem Urtext war stets, „die Meinung des Textes“ unverfälscht in die deutsche Sprache zu übertragen.  …“auff mein bestes Vermögen und auff mein Gewissen“, so schrieb er, und ging bei der Übersetzung nach dem Grundsatz vor, daß die Schrift sich selbst auslegt und andere Bibelstellen am besten einen bestimmten Sachverhalt auslegen, wenn man ihn nicht gleich vom Text her erkennt oder versteht („scriptura sui ipsius interpretes“). „Vom Buchstaben zum Geist der Schrift zu kommen“, das war sein großes Übersetzungsanliegen. - Dieses wird exemplarisch sehr schön in Römer 3,28 deutlich, wo er übersetzt: “So halten wir es nu / daß der Mensch gerecht werde….. ALLEINE DURCH DEN GLAUBEN!“. Dieses ALLEINE steht zwar weder im griechischen noch im lateinischen Grundtext geschrieben, macht aber deutlich, daß der Mensch aus Gnade um Christi Willen im Glauben das Ewige Leben empfängt. Hier wird die ganze Schärfe der Auseinandersetzung mit dem Ablaßgeschäft der damaligen römischen Kirche deutlich, und das alleinige Gnadenhandeln Gottes am Gläubigen betont. Somit bekommt seine ganze Übersetzung Predigtcharakter, der auf die Glaubensentscheidung des Lesers abzielt. Spätere andere Übersetzungen aus dem Grundtext vermochten das nicht mehr nachzuahmen, auch wenn sie sich noch so nahe an den Urtext hielten oder gar ihren Sprachstil und die Begrifflichkeiten ganz dem Niveau der Zeitgenossen anpaßten.

Und damit sind wir auch am zentralen Punkt unseres Anliegens: Wir möchten ja nicht nur die Bibel dem Menschen nahe bringen, sondern ihn mit dem lebendigen Wort zur Glaubensentscheidung locken. Die meisten Leute in  der westlichen Welt kennen sicher noch die Bibel stückweise, oder haben sogar eine im Bücherschrank stehen. Aber durchs Herz ist ihnen die Botschaft von Gericht und Gnade noch nie gegangen! Wer Luthers Übersetzung aufmerksam liest, wird in besonders dringlicher Weise vor die Entscheidung für oder gegen Jesus gestellt. Trotz aller sprachlichen Überarbeitungen hat sich dieser Text wegen seiner einzigartigen Sprach- und Sinnqualität gegenüber anderen Übersetzungen durchgesetzt und behauptet. Auch wenn Luther hier und da fehlerhaft übersetzte, so kann man dennoch sagen, daß Gott ihn als großartiges Werkzeug zur Verbreitung der biblischen Wahrheit gebrauchte. Dabei übersehen wir keineswegs, daß er „als Kind seiner Zeit“ zuweilen in der Auseinandersetzung mit den Täufern, Irrlehrern und den nicht bekehrungswilligen Juden seiner Zeit derbe und böse Wort gebrauchte, die sehr geschadet haben und für die Vergebung nötig ist.  Seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche und ihre sofortige Verbreitung in Buchteilen und als Ganzes, bleiben aber gleichwohl die entscheidende Großtat, mit der die Befreiung der Bibel und des unverfälschten Glaubens aus der „babylonischen Gefangenschaft“(Luthers Ausdruck) lateinischer Sprache und eines römisch-katholischen Klerus begann!

- Von da an wurde es möglich, in deutscher Muttersprache Gottes Wort öffentlich und privat zu hören und lesen. Nicht mehr die geheime Auslegungspraxis der römischen Kirche und ihrer Kleriker wurde Maßstab des rechten Glaubens für den Einzelnen, sondern, was die Heilige Schrift tatsächlich sagte! Die Reformation und die sich daraus entwickelnde Glaubensfreiheit wären ohne die Lutherbibel nicht so rasant vorangekommen. Seine Übersetzung wurde schon zu Lebzeiten derart geschätzt, daß Zeitgenossen lobten, „sie sei so fehlerfrei und ganz vollkommen, daß verständigen Menschen sie beinahe einen Kommentar ersetzen könne,“ so Antonius Corvinus, Pfarrer in Witzenhausen, 1534 in einem Brief. - Tatsache ist bis heute, daß unzählige Menschen allein durch das Lesen dieser Übersetzung zum lebendigen Glauben gelangt sind und auch ein umfassendes Verständnis der Heiligen Schrift erhielten, ohne daß sie großartige Kommentare zur dazu benötigten.

Was auch immer wir für eine Bibelübersetzung heute benutzen, entscheidend wird wohl bleiben, wie sehr uns der eigentliche Autor derselben daraus ansprechen kann. - Ob uns das Herz beim Lesen des Wortes warm wird; ob wir Trost, Ermahnung, Ausrichtung, Ermutigung, Motivation zur Nachfolge, Liebe zu dem Herrn und zu unseren Mitmenschen daraus empfangen. Das wird wohl von unserem Herzen und von Gottes gutem Heiligen Geist abhängig bleiben. - Damit das immer aufs Neue wieder geschieht, darum laßt uns zum Herrn beten und IHM danken, daß wir sein Wort haben und es noch weitergeben dürfen! - Es ist ja gar nicht selbstverständlich, daß wir die Bibel haben dürfen. Mancher Hilferuf aus Afrika nach Bibeln und evangelistischen Schriften macht uns das wieder deutlich. Und daß der Besitz einer Bibel in manchen Ländern noch heute das Leben kosten kann, ist nicht nur Historie aus der Römisch-Kath.-Kirche, sondern noch heute schmerzhafte Realität in manchen islamischen, hinduistischen oder kommunistischen Ländern. Dieses zu ändern, dafür laßt uns beten und nach Kräften und unserem Vermögen mithelfen!

R. Sorger, Missionsleiter „Bibel für die Welt“